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Deutsch-Deutsche Filmtage in Plauen und Hof

Deutsch-Deutsche Filmtage der Partnerstädte Hof und Plauen vom 10. bis 15. November

„Von der Teilung zur Einheit“ – unter diesem Motto organisieren die Partnerstädte Hof und Plauen jährlich die Deutsch-Deutschen Filmtage. Zu Themen jüngster deutsch-deutscher Geschichte werden insgesamt 10 Spiel- und Dokumentarfilme im Capitol Kino Plauen und im Central Kino Hof gezeigt.

Deutsch-Deutsche Filmtage in Plauen und Hof. Foto: Alfred Eiber
Deutsch-Deutsche Filmtage in Plauen und Hof. Foto: Alfred Eiber

Oberbürgermeister Steffen Zenner: „Auch dieses Mal ist es uns wieder gelungen, mit spannenden, aber auch tragischen Filmen, ein vielseitiges und lehrreiches Programm zusammenzustellen. Interessante Gesprächspartner haben ihr Kommen bereits zugesagt. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Nutzen Sie die Gelegenheit der geschichtlichen Aufarbeitung in dieser Form, aber auch die Gesprächsmöglichkeit mit Regisseuren, Zeitzeugen und Historikern.“

Programm:

TOD IN DER OSTSEE

60 Minuten, Dokumentarfilm (2021), Regie: Rikke Detlefsen, Jesper Clemmensen

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September 1979. Ein Fischkutter vor Kap Arkona bekommt einen demolierten, selbstgebauten Katamaran ins Netz, wenig später werden Leichen gefunden. Bei ihren Ermittlungen entdeckt die Stasi auf einem Rügener Campingplatz eine verlassene Trutzburg. Bald wird klar, dass fünf Menschen beim Versuch der Republikflucht nach Dänemark ertrunken sind: Zwei Brüder mit ihren Ehefrauen und einem Kleinkind  ̶  alle aus dem gleichen sächsischen Arnsdorf (bei Dresden). Der tragische Tod entzweit die Familie über Jahrzehnte. „Tod in der Ostsee” rekonstruiert die Tage und Wochen vor dem gescheiterten Fluchtversuch aus unterschiedlichen Perspektiven, erzählt aber auch die Jahre danach.

Hof Donnerstag, 10. November / 19.00 Uhr Plauen Freitag, 11. November / 19.30 Uhr

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Jubiläums-Magazin & Jubiläums-Hocker

Zu Gast: Rikke Detlefsen (Regisseurin), Jesper Clemmensen (Regisseur), Moderation in Hof Dr. Kinza Khan (Akademie für Politische Bildung Tutzing), Moderation in Plauen Gerd Naumann (Historiker)

HÜBEN UND DRÜBEN: WIE JUGENDLICHE DEN MAUERFALL ERLEBT HABEN

33 Minuten, Dokumentarfilm von Hofer Schülern, Produktion: Jakob Schwanck, Florian Czekalla

1989  ̶   Die Mauer fällt. Wie war dieses bedeutende Ereignis damals für Jugendliche, die zu dieser Zeit in Oberfranken und Grenznähe gelebt haben? Welche positiven oder negativen Konsequenzen gab es für das eigene Leben? Welche Sichtweisen auf den jeweils anderen Teil Deutschlands gab es vor dem Mauerfall und welche danach? Im Film werden interessante Interviews mit Zeitzeugen sowohl aus der Perspektive von DDR-Bürgern, als auch aus der Sicht der Bundesbürger geführt, erläutert und mit teilweise bisher unveröffentlichtem Bild- und Videomaterial aus der damaligen Zeit ergänzt. Der Schülerfilm zweier Hofer Gymnasiasten wurde im Mai 2022 durch die Jury des bundesweiten Wettbewerbs „Umbruchszeiten“ in Berlin mit einem 3. Preis gewürdigt.

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Hof Freitag, 11. November / 11.00 Uhr

Zu Gast: Jacob Schwanck und Florian Czekalla (Produzenten)

PLAUEN – WUNDERBAR VERWANDELT

45 Minuten, Dokumentarfilm (2022), Regie: Martin Reißmann, Mario Unger-Reißmann

Plauen, die fünftgrößte Stadt in Sachsen, ist stolz auf ihre 900-jährige Geschichte. Feine Textilerzeugnisse oder Druckmaschinen machten den Ort einst weltbekannt. Anfang des 20. Jahrhunderts war Plauen eine reiche Großstadt mit 128.000 Einwohnern. Großstadtflair versprühte damals besonders das legendäre Kaffeehaus Trömel. Doch so steil wie der Aufstieg von Plauen damals in ein paar Jahrzehnten war, war auch der Fall. Im Krieg zerstört und von der DDR gebeutelt, konnte Plauen nie wieder an diese schillernde Zeit anknüpfen.

Nur ein paar Kilometer entfernt von der innerdeutschen Grenze wehte in Plauen der Wind der Freiheit aber schon immer etwas stärker. Es war der 40. Jahrestag der DDR, der 7. Oktober 1989. Zu Tausenden machten die Plauener ihrem Unmut lautstark Luft und demonstrierten friedlich und völlig überraschend vor der kapitulierenden Staatsmacht gegen das bröckelnde Regime. Die Plauener mussten für die errungene Deutsche Einheit einen schmerzhaft hohen Preis zahlen. Ein in der Stadtgeschichte beispielloses Sterben der traditionellen Großbetriebe begann und raubte den Menschen ihre Identität. Die Wirtschaft entwickelte sich seither kleinteilig und mittelständig.

Hof Freitag, 11. November / Im Anschluss an „HÜBEN UND DRÜBEN“ Plauen Dienstag, 15. November / 15.00 Uhr

Zu Gast in Plauen: Mario Unger-Reißmann (Regisseur), Lars Buchmann (Hobby-Historiker), Moderation Gerd Naumann (Historiker)

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HERstory: WENDEMAN(N)ÖVER – FRAUEN UND DER MAUERFALL

45 Minuten, Dokumentarfilm (2021), Regie: Sabine Michel

Seit Jahrhunderten schreiben und deuten Männer Geschichte. Aber man kann Geschichten nicht wahrhaftig erzählen, wenn man die Hälfte der Menschheit systematisch beiseiteschiebt. Deshalb erzählt „Wendeman(n)över” von der Wendezeit – konsequent aus weiblicher Perspektive. Wovon haben die ostdeutschen Frauen geträumt, wie haben sie die Deutsche Einheit erlebt und was ist aus ihren Hoffnungen und Wünschen geworden? Als am 9. November 1989 die Mauer fällt, sind die Erwartungen vieler Frauen hoch: Neuanfang, Freiheit und Wohlstand. Doch die Euphorie des Augenblicks hält nicht lange an. Schnell müssen besonders die ostdeutschen Frauen feststellen, dass das wiedervereinigte Deutschland nicht nur Gutes für sie bereithält.

Hof Freitag, 11. November / 19.30 Uhr, Plauen Samstag, 12. November / 14.00 Uhr

Zu Gast: Sabine Michel (Regisseurin), Dr. Roland Löffler (Sächsische Landeszentrale für politische Bildung)

GRÜSSE AUS DER DDR – REISEN IN DEN SOZIALISMUS

45 Minuten, Dokumentarfilm (2021), Regie: Martina Hiller von Gaertringen

1986 reisten rund 5,6 Millionen Westdeutsche zu mehrtägigen Aufenthalten in den anderen Teil Deutschlands. Ein Teil der Reisen entfiel auf die obligatorischen Familienbesuche bei der Ost-Verwandtschaft. Aber nach dem Vorbild der Bruderstaaten wie Ungarn, wo man am Plattensee und in Budapest einen florierenden Westtourismus etabliert hatte, wollte sich auch die DDR als internationales Reiseland vermarkten, was kontinuierliche Einnahmen in harter Währung ermöglichten. Wer in die DDR wollte, musste deswegen eine Reihe bürokratischer Hürden überwinden. Ohne penibel erteilte Berechtigungsscheine und Visa war kein Durchkommen in den Sozialismus. Die DDR präsentierte sich 1973 erstmals auf der ITB, der Internationalen Tourismus-Börse in West-Berlin. Der sich in den Folgejahren eher mühsam entwickelnde Tourismus ähnelte einer Gratwanderung.

Hof Samstag, 12. November / 11.00 Uhr, Plauen Sonntag, 13. November / 18.00 Uhr

Zu Gast: Gerhard Prokscha (Zeitzeuge), Moderation in Plauen Gerd Naumann (Historiker)

DER BAULÖWE

86 Minuten, Komödie (1980), Regie: Georgi Kissimov

Der Berliner Ralf Keul, beliebter Unterhaltungskünstler, bekannt von Bühne, Funk und Fernsehen, hat Sorgen. Als seine Frau Doris noch im zarten Mädchenalter war, pachteten ihre Eltern für sie – sehr weitsichtig – ein Grundstück an der Ostsee. Doch nun muss dieses Grundstück schnellstens bebaut werden. Ansonsten, so droht der Bürgermeister des Badeortes, wird das Land anderweitig vergeben. Zum Glück polstert ein Lottogewinn Keuls Finanzen auf. Platte, Radio, Bildschirm und Theater bringen zwar nicht gerade wenig ein, aber nicht genug für ein reetgedecktes Einfamilienhäuschen an der See. Doch selbst dem allseits bekannten, erfolgsgewohnten Keul bleibt die leidige Suche nach Handwerkern und entsprechenden Materialien nicht erspart.

Plauen Samstag, 12.11.2022 / 18.00 Uhr, Hof Sonntag, 13.11.2022 / 11.00 Uhr

Moderation in Plauen Gerd Naumann (Historiker)

UND DER ZUKUNFT ZUGEWANDT

104 Minuten, Spielfilm (2019), Regie: Bernd Böhlich

DDR, 1952. Die Absprache ist ganz klar. Antonia Berger (gespielt von Alexandra Maria Lara) und ihre Tochter erhalten ein Dach über dem Kopf, die schwerkranke Tochter wird ärztlich versorgt. Antonia bekommt eine neue Anstellung. Alles, was sie dafür tun müssen, ist schweigen. Schweigen darüber, dass sie – wie viele andere Menschen – in der Sowjetunion als Gefangene der Regierung in Lagern untergebracht waren. Dass sie zur Zwangsarbeit benutzt wurden. Dass Antonias Mann erschossen wurde. Von den eigenen Parteigenossen. Das alles darf niemand in dem gerade erst „erblühenden“ kommunistischen Staat hören. Denn hier soll alles anders werden, soll nach vorne geschaut werden. Antonia selbst glaubt an den Kommunismus. Und so schweigt sie. Auch sie will nach vorne schauen. Immer der Zukunft zugewandt.

Plauen Sonntag, 13.11.2022 / 14.00 Uhr, Hof Montag, 14.11.2022 / 17.00 Uhr

Zu Gast: Swetlana Schönfeld (Schauspielerin, Theaterregisseurin) – Der Film, in dem sie die Rolle der Großmutter spielt, entstand in Anlehnung an ihre eigene Lebensgeschichte. Dr. Rüdiger Frey (Bildungswerk Sachsen der Deutschen Gesellschaft e. V.)

EINGESPERRT – SACHSEN UND DER MAUERBAU

30 Minuten, Dokumentarfilm MDR (2011), Regie: Stephan Bischof

Zittau, 14. August 1961: Ein Mann kauft in einem Spielzeuggeschäft einen Stempelkasten. Es geht ihm um Buchstaben. Er hat einen Entschluss gefasst: Er will gegen den Mauerbau protestieren, will zu Demonstrationen und Widerstand aufrufen. Ist sich sicher, dass es vielen so gehen wird wie ihm: Mit dem Gefühl des Eingesperrtseins nicht leben zu können. Nachts stempelt Ewald Kurbiuhn Flugblätter, verteilt sie am darauffolgenden Abend. Einen Tag später hat ihn die Stasi: Drei Jahre Gefängnis folgen. Das Gefühl des Eingesperrtseins beginnt für viele Sachsen aber nicht erst am 13. August 1961. Die Bewohner der Grenze zu Bayern bekommen schon Jahre zuvor zu spüren, wie Grenzsicherung gemeint ist: In den Dörfern im Vogtland werden Häuser abgerissen und unliebsame Bewohner in einer Nacht- und Nebelaktion ausgesiedelt.

Hof Sonntag, 13. November / 14.00 Uhr, Plauen Dienstag, 15. November / 17.00 Uhr

Zu Gast: Gebrüder Ketzel (Zeitzeugen), Moderation in Plauen Gerd Naumann (Historiker)

SYSTEMVERSAGEN – DER FLUGZEUGABSTURZ VON 1986 UND DIE STASI

45 Minuten, Dokumentarfilm (2018), Regie: Torsten Mehltretter

Es war eines der schwersten Flugzeugunglücke in der deutschen Geschichte: Am 12. Dezember 1986 stürzt eine Tupolew 134 A der sowjetischen Aeroflot beim Landeanflug auf Berlin-Schönefeld ab. An Bord ist damals auch eine Schweriner Schulklasse auf dem Rückweg von einer Reise nach Minsk. 20 Schüler einer 10. Klasse der Ernst-Schneller-Schule sowie drei ihrer Begleiter überleben das Unglück nicht. Insgesamt sterben 72 Menschen, nur zehn überleben das Unglück. Die Katastrophe passt nicht in das Selbstverständnis der DDR-Führung. Schon mit der ersten Meldung über den Absturz wird die Maschinerie der Stasi in Gang gesetzt. Kritik an der Sowjetunion soll unterbunden werden. “Unverzüglich” werden Maßnahmen “zur Verfolgung und Einschätzung der Reaktion der Bevölkerung auf den Absturz” ergriffen. Den Angehörigen werden Antworten verweigert, der Zugang zur Absturzstelle verwehrt.

Hof Montag, 14. November / 11.00 Uhr, Plauen Montag, 14. November / 15.00 Uhr

Zu Gast: Matthias Baerens (Drehbuch), Frank Scheffka (Bruder eines tödlich Verunglückten), Dr. Helmut Müller-Enbergs (Adj-Prof. der Syddansk Universitet, DK)

GEHEIMNISVOLLE ORTE: GRENZÜBERGANG DREWITZ/DREILINDEN

45 Minuten, Dokumentarfilm (2012), Regie: Karin Reiss

Es ist ein Ort mit vielen Namen: „Autobahnkontrollpunkt Dreilinden”, „Grenzübergangsstelle Drewitz”, „Checkpoint Bravo” oder „Kontrollpassierpunkt Nowawes“. Alle Namen meinen das gleiche: Das Nadelöhr, durch das alle mussten, die mit dem Auto über die Transitstrecke von und nach West-Berlin wollten. Für die West-Berliner war es das Tor zur Bundesrepublik, für DDR-Bürger ein lebensgefährliches Sperrgebiet. In der Dokumentation erzählen Zeitzeugen von tragischen und skurrilen Erlebnissen an diesem Ort. So gelang es Walter Knab 1962, seine zukünftige Frau Jutta in einer waghalsigen Aktion im Koffer auf dem Motorroller über die Grenze nach West-Berlin zu schmuggeln. Rudolf Holtz, er war zwischen 1958 und 1960 Zöllner in Drewitz, gibt mit selbst geschossenen Fotos seltene Einblicke in seine damalige Arbeit. Er erzählt von schicken Westautos, die für die DDR-Elite beschlagnahmt wurden, und von Westbussen mit dem Wirtschaftswunder-Duft von „4711“ und Orangen.

Plauen Montag, 14. November / 17.00 Uhr, Hof Dienstag, 15. November / 17.00 Uhr

Zu Gast: Max Josef Strauß (Jurist und ältester Sohn des ehemaligen Bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß), Dr. Ludwig Unger (Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit)

Änderungen vorbehalten. Es besteht kein Anspruch auf einen Sitzplatz. Schulklassen und Gruppen wird empfohlen, sich verbindlich anzumelden. Die zum Zeitpunkt der Deutsch-Deutschen Filmtage geltenden Hygieneschutzmaßnahmen sind zu beachten.

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