Plauener Historiker sammelt für Liesel

Archäologen legen Stadtgeschichte frei

 

  070610 Ausgrabungen Die wohl interessanteste Baustelle Plauens befindet sich derzeit in der Altstadt. Hier graben Altertumsforscher vom Landesamt für Archäologie Dresden in der Geschichte der Spitzenstadt. Auf der Marktstraße drei bis elf haben sie bereits mehrere Grundmauern alter Gebäude freigelegt.

Dabei gelang den Experten mit der Entdeckung einer Leiche bereits ein herausragender Fund. Die Forscher vermuten ein Kriegsopfer (wir berichteten). Der Plauener Verleger und Historiker Curt Röder gibt der Leiche jetzt einen Namen und damit auch ein Gesicht. Gleich nach bekanntwerden des Fundes begann er, die Identität zu ermitteln. Er vermutet, dass es sich um eine Frau im Alter zwischen 45 und 50 Jahren handelt. Nach seinen Recherchen muss es Liesel Zenker sein. „Da sie allein lebte, wurde sie nicht vermisst“, schätzt Röder.

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Neben einem Schädel und Knochenteilen wurde auch eine Zahnprothese gefunden. Sie ist der Schlüssel zur Lösung. Eine 90-Jährige Plauenerin meldete sich bei Curt Röder. Das Opfer könnte meine Tante sein, sagte sie zu Röder. Die Polizei bestätigt diese These nicht. „Man muss das Gutachten abwarten“, so Polizeisprecher Oliver Wurdak. Die Ergebnisse daraus sollen im August vorliegen. Derzeit werden die Leichenteile weiter von der Rechtsmedizin in Chemnitz untersucht. Die Ermittler sind sich vor allem beim Geschlecht noch nicht sicher, so Wurdak.

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Da sich Röder sicher ist, fordert er nun eine würdige Verabschiedung von dem Kriegsopfer. In seinem Schreibwarengeschäft am Klostermarkt sammelt er für einen Grabstein bereits mit einer aufgestellten Box Spenden. Sie solle einen besonderen Platz auf dem Hauptfriedhof bekommen, fordert der Historiker. Auch für eine bleibende Erinnerung will Röder sich einsetzen. Gestern machte er Baubürgermeister Manfred Eberwein den Vorschlag, an dem entstehenden Wohn- und Geschäftshaus eine Gedenktafel für die Kriegsopfer und speziell für Liesel Zenker anzubringen. Eberwein zeigte sich nicht abgeneigt.

Die Frau wäre mit etwas Glück bereits vor zehn Jahren gefunden worden. Damals stoppten begonnene Ausgrabungen nur wenige Meter vor der Fundstelle der Leiche aus Kostengründen. Curt Röder nennt den Fund der „stillen Schläferin“, wie er sie nennt, ein „Wunder“.

Die Marktstraße gehört zu den bedeutendsten und ältesten Straßen Plauens. Die Untersuchungen der Altertumsforscher werden sich bis Mitte September hinziehen. Bereits freigelegt wurden Keller-Teile aus verschiedenen Epochen und altes Mauerwerk aus der Renaissancezeit, sagt Dr. Christiane Hemker vom Landesamt für Archäologie. Die Experten vermuten bis ins 12. Jahrhundert vorzustoßen. Dafür werden auch die Fußböden der Keller herausgenommen, um noch tiefer in das Erdreich einzutauchen. Bis zum gewachsenen Stein soll gegraben werden, heißt es.

Hilfe bekommen die Forscher von zehn Grabungshelfern, die von der Agentur für Arbeit Plauen kommen. „Wo es möglich ist, unterstützen wir die Arbeit der Archäologen“, sagt Manfred Eberwein. Er selbst verfolgt die Ausgrabungen mit großem Interesse, sagte er. „Es wird noch spannend, welche Erkenntnisse wir zutage fördern.“ (mr)

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Service:

>> Fotostrecke von Ausgrabungen…

2010-06-08

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