Oscar der Cartoonisten geht an Barbara Henniger

Verleihung des e.o.plauen-Preises

Oscar der Cartoonisten geht an Barbara HennigerBarbara Henniger erhält in diesem Jahr den 8. e.o.plauen-Preis der Stadt Plauen, der ihr zum Festabend am 16. September um 19.00 Uhr im Vogtlandtheater Plauen verliehen wird. Sie ist die erste Frau, die mit diesem Preis ausgezeichnet wird, und reiht sich somit ein in die illustre Männerschar: F. K. Waechter, Paul Flora, Robert Gernhardt, Tomi Ungerer, Jean-Jaques Sempé, Ivan Steiger und Wolf Erlbruch.

 

e.o.plauen ist der Schöpfer der weit über Europa hinaus bekannten „Vater-und-Sohn“-Geschichten. Mit e.o.plauen Preis, der alle drei Jahre vergeben wird, bewahrt die Stadt gemeinsam mit der e.o.plauem-Gesellschaft, das Leben, das Werk und das Wirken Ohsers im Gedächtnis. Ohser lebte eine zeitlang in Plauen und wählte aus diesem Grund das Pseudonym e.o.plauen – Erich Ohser aus Plauen.

 

Die diesjährige Preisträgerin Barbara Henniger, eine der bedeutendsten Zeichnerinnen im deutschsprachigen Raum, ist durch die Satirezeitschrift „Eulenspiegel“ bekannt geworden.  In der Preisträger-Ausstellung, die am Tag nach der Preisverleihung – also am 17. September um 11.00 Uhr – im  Erich-Ohser-Haus in der Nobelstraße eröffnet wird, wird mit rund 100 Originalen eine große Bandbreite ihres Schaffens zu sehen sein.

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Barbara Henniger – Fakten:

Barbara Henniger wurde 1938 in Dresden geboren und absolvierte 1956 ihr Abitur. Von 1956 bis 1958 studierte sie „Architektur“ an der Technischen Hochschule Dresden. 1959 bis 1967 folgte eine Ausbildung und Arbeit als Journalistin an der Dresdner Tageszeitung „Sächsisches Tageblatt“. Im Jahr 1967 zog sie um nach Strausberg bei Berlin, seither ist Barabra Henniger freischaffende Karikaturistin.

 

Ständige Mitarbeit bei der Satirezeitschrift „Eulenspiegel“, die bis heute anhält. Beiträge für Zeitschriften und Tageszeitungen, Buchillustrationen, Plakate, Kalender, Kabarettausstattung.  Bücher:  u.a. „Barbaras praktische Linke“,  „Im Paradies und anderswo“,  „Unsere Deutsche Demokratische Republik“,  „Hallo, Herr Nachbar“,

 

Preise:  u.a.  Kunstpreis der DDR 1984, Goldener Hut, Knokke 1985, Goldener Gothaer 1991, Preis des 1. Internationalen Cartoonfestivals in Langnau, Schweiz 1998, Silberner Gothaer 1999, Publikumspreis beim 1. Deutschen Karikaturenpreis der Sächsischen Zeitung, Dresden 2001, 1.Preis des Karikaturenwettbewerbs „Was ist sozial?“, Berlin 2003, 1. Preis beim 7. Deutschen Karikaturenpreis, Dresden 2006.

 

Preisträger-Ausstellung am 17. September 2017, 11.00 Uhr: Vernissage der Preisträgerausstellung im Erich-Ohser-Haus

Die e.o.plauen-Preisträgerausstellung 2017 gewährt einen umfangreichen Einblick in das vielfältige Schaffen der populären Karikaturistin und Zeichnerin Barbara Henniger. Gewitzt, pointenreich und unerschrocken – so kommentiert die ideenreiche Zeichnerin die Herausforderungen des Lebens im Großen und im Kleinen. Über drei Etagen breitet sich ihr Lebenswerks im Erich-Ohser-Haus aus: Zu entdecken sind Zeichnungen, Karikaturen und Bildgeschichten, auch Skizzen und Studien, in einmaliger Auswahl.

 

1. Oktober 2017, 11.00 Uhr – Führung durch die Ausstellung mit Dr. Elke Schulze, Kunsthistorikerin, Vorstand der Erich Ohser-e.o.plauen Stiftung.

Die e.o. plauen-Gesellschaft e.V.

 

Die e.o. plauen-Gesellschaft wurde am 2. Oktober 1993 gegründet. Prof. Dr. Willi Daume, ehemaliger Präsident des NOK für Deutschland, Dr. Rolf Magerkord, zum damaligen Zeitpunkt Oberbürgermeister der Stadt Plauen sowie Christian H. Ohser, Sohn Erich Ohsers, gehörten unter anderen zu den Gründungsmitgliedern der e.o. plauen-Gesellschaft, die ihren Sitz in Plauen hat. Der inzwischen verstorbene Willi Daume war erster Präsident der Gesellschaft, seine Nachfolge trat am 29. September 1997 der ehemalige Bundesaußenminister, Prof. Hans-Dietrich Genscher, an. Seit 2001 ist Dr. Karl Gerhard Schmidt Präsident.

 

Der e.o. plauen Preis

 

Den e.o. plauen Preis der Stadt Plauen vergibt die Stadt Plauen gemeinsam mit der e.o.plauen-Gesellschaft im dreijährigen Rhythmus. Erster Preisträger war 1995 der bekannte Cartoonist und Vertreter der Frankfurter Schule, F. K. Waechter, ihm folgte 1999 der Österreicher Paul Flora und 2002 der Maler, Schriftsteller und Cartoonist Robert Gernhardt. 2005 erhielt den Preis Tomi Ungerer, 2008 Jean-Jaques Sempé, 2011 Ivan Steiger und 2014 Wolf Erlbruch.

 

Als „Oscar der Cartoonisten“ honoriert der e.o. plauen Preis das Schaffen bedeutender Künstler unserer Zeit im Genre Karikatur/Cartoon, Pressezeichnung und Buchillustration. Der Preis ist mit der Übergabe einer Kleinplastik und einem Preisgeld von 5.000 Euro verbunden. Die Plastik, vom Plauener Künstler Hannes Schulze geschaffen, zeigt einen Notizblock mit Bleistift. Die Inschriften „Vater und Sohn“ und „e.o. plauen“ weisen auf das Schaffen und den Namen jenes Mannes hin, dessen Pseudonym Pate stand für die Bezeichnung des Preises.

 

Der Zeichner Erich Ohser – e.o. plauen

Erich Ohser wurde am 18. März 1903 in Untergettengrün (Vogtland) geboren. 1907 übersiedelte die Familie nach Plauen, dort besuchte er auch die Schule. Nach Schlosserlehre und einem Studium an der Akademie für Graphische Künste in Leipzig, wo er auch Erich Knauf kennenlernte, arbeitete er zusammen mit diesem und mit Erich Kästner für die Plauener Volkszeitung. Im Jahr 1930 heiratete Erich Ohser seine Kommilitonin Marigard Bantzer. Im Dezember 1931 erblickte Sohn Christian das Licht der Welt.

Als Buchillustrator (für Büchergilde Gutenberg, Deutsche Verlagsanstalt und andere) und als Zeichner satirischer Szenen für Zeitungen und Zeitschriften wie – neben der Plauener Volkszeitung – die Neue Revue, die Neue Leipziger Zeitung oder den Vorwärts wurde Erich Ohser bald in ganz Deutschland bekannt. Er übernahm Illustrationsaufträge, unter anderem für Kästners erste Gedichtbände. 1929 reiste er mit Kästner nach Paris, 1930 nach Moskau und Leningrad. Aus dieser Zeit stammen die kraftvollen und drastischen Illustrationen zu Michail Soschtschenkos „Die Stiefel des Zaren“, die vielfach als ein Höhepunkt von Ohsers Schaffen angesehen werden.

Durch Vermittlung Knaufs zeichnete Ohser ab 1929 für den sozialdemokratischen Vorwärts. Ziel seiner satirischen Angriffe waren da auch Größen der NSDAP wie Hitler und Goebbels. Ein Jahr nach Hitlers Machtergreifung wurde Erich Ohser von der Reichspressekammer nicht in die Berufsliste aufgenommen, was faktisch ein totales Berufsverbot bedeutete. Erst nach Intervention von Johannes Weyl, dem Leiter des Zeitschriften-Zentralbüros im Verlag Ullstein – und späteren Gründer der seit 1945 in Konstanz erscheinenden Regional-Zeitung Südkurier sowie auch des Südverlags-, durfte Erich Ohser (nur) unter Pseudonym im Dezember 1934 bis Dezember 1937 die „Vater und Sohn“–Bildgeschichten in über 150 Folgen in der Berliner Illustrirten Zeitung veröffentlichen. Ohser wählte das Pseudonym „e.o. plauen“ nach den Anfangsbuchstaben seines Namens und der Stadt seiner Jugend – Erich Ohser aus Plauen.

Erich Ohser wollte nicht emigrieren. Er ging den Weg in die Anpassung. Ab 1940 drängten die Nazis Erich Ohser, für die neue, von der NSDAP entwickelte Wochenzeitung „Das Reich“ zu arbeiten, ein Druck, dem er in seiner sowieso gefährdeten Situation glaubte sich nicht widersetzen zu können. Er verstand es jedoch stets, sich Forderungen nach antisemitischen Karikaturen zu entziehen.

Ohser, fand im letzten Jahr des Krieges, als sich der Zusammenbruch des Dritten Reiches bereits abzeichnete, ein tragisches Ende. Wegen abfälliger Äußerungen über die nationalsozialistischen Machthaber wurden er und sein Freund Erich Knauf denunziert und verhaftet. Goebbels nahm sich persönlich der Sache an. In der Nacht vor dem Prozess vor dem Volksgerichtshof unter dessen berüchtigtem Präsidenten Roland Freisler wählte Erich Ohser am 6. April 1944 in Gestapohaft den Freitod. Der mitangeklagte Redakteur Erich Knauf wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Der gemeinsame Freund Kästner kommentierte später: „Sie wollten mit einem Minimum an Konzessionen das braune Reich überdauern. Sie hofften, es werde gut gehen, und es ging nicht gut. Sie verbargen ihre eigentlichen Talente, damit sie nicht missbraucht würden.“ e.o. plauens „Vater und Sohn“ – Bildgeschichten haben jene Zeit überdauert und bei Jung und Alt weltweit Millionen Freunde gefunden. (pl, foto: stadt plauen/brand aktuell)

2017-09-08

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