So will Plauen die wachsende Kriminalität bekämpfen

Serie von etwa 170 Straftaten aufgeklärt

Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer im Gespräch mit Polizeipräsident Conny StiehlPlauen ist weltbekannt für seine „Plauener Spitze“. Doch die Hauptstadt des Vogtlandes ist leider auch in anderen Bereichen derzeit Spitze. Es gibt immer mehr Gewalt auf den Straßen. Viele Plauener fühlen sich nicht mehr sicher in ihrer Stadt. Ein Zustand den Polizei und Stadtverwaltung möglichst schnell wieder ändern wollen und zwar mit diesen Maßnahmen:

Drogen, Schlägereien, Pöbeleien, Übergriffe, Wildpinkler – mitten am Tag, mitten in der Stadt. Mit diesen Straftaten am Tunnel und Postplatz haben Polizei und Ordnungsamt immer mehr zu tun. Seit drei Jahren steigen die Zahlen der Gewalttaten in der beschaulichen Spitzenstadt.

Rauschgiftkriminalität und Körperverletzungsdelikte

Die Zahl der Straftaten ist zwar um nur wenige Prozent angestiegen, liegt gefühlt aber deutlich höher. Auffällig werden immer wieder zwei Gruppen in der Innenstadt. Leute, die mit ihrer Freizeit nichts anzufangen wissen und Asylbewerber, die seit der Flüchtlingswelle das Stadtbild mitprägen und verändert haben. „Wir stellen fest Straftaten der Rauschgiftkriminalität, Straftaten in Zusammenhang mit Beschaffungskriminalität, um den Rauschgiftkonsum zu finanzieren. Wir haben Schwarzfahrer, wir haben Ladendiebstähle zu verzeichnen. Wir haben auch Körperverletzungsdelikte“, sagt Polizeipräsident Conny Stiehl.

179 Fälle von Gewaltstraftaten 2016

Wildpinkler mitten in PlauenUnd es wird gestohlen auf offener Straße. Besonders Gastronomen vergeht da die Lust aufs Geschäft. „Leider wird immer mehr geklaut. Uns wurde im Freisitz ein angeketteter Stuhl gestohlen, Blumen und Pflanzen werden herausgerissen oder mitgenommen. Da brauch man nichts mehr zu machen“, sagt ernüchternd Margarete Karavasilis vom Griechen auf der Herrenstraße.

2016 gab es außerdem 179 Fälle von Gewaltstraftaten in Plauen. Fast jede zweite wurde vom einem Ausländer begangen. 1500 Flüchtlinge hat die Stadt insgesamt aufgenommen, die meisten im Vogtland. Doch die wachsende Kriminalität hat auch noch andere Gründe. „Die Ursache dafür sind Verlust von Respekt und Achtung vor allem unter Jugendlichen. Hier sollte härter durchgegriffen werden. Die Plätze könnten auch stärker überwacht werden, zum Beispiel mit Videokameras“, sagt Frank Wand vom Theatercafé am Tunnel.

Sicherheitsoffensive von Polizei und Stadt gestartet

Mit mehr Präsenz und mehr Ordnungskräften soll das Kriminalitäts-Problem in Plauen bekämpft werden. „Es kann jeder Bürger sich hier in der Stadt aufhalten und wir wollen ihm auch zeigen, dass wir diese Aufenthaltsqualität auch ausbauen wollen, in dem wir auch die städtischen Sicherheitsdienste aufgestockt haben. Wir haben vier weitere Leute eingestellt und bilden aus“, so Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer. Die Mitarbeiter des gemeindlichen Vollzugsdienstes sind nun mit Schutzwesten, Schutzhandschuhen, Handschellen, Schlagstöcken und Reizgas ausgestattet.

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Sichtbar soll es auch mehr Polizei geben. „Wir möchten unsere Präsenz damit erhöhen, dass wir Diensthundeführer zum Einsatz bringen, dass wir Kollegen der Bereitschaftspolizei hier im Stadtzentrum zum Einsatz bringen und das wir das Konzept der Bürgerpolizisten verbessern“, so Conny Stiehl.

Um das Sicherheitsgefühl der Menschen zu verbessern und um optisch präsenter zu sein, ist der  Vollzugsdienst der Stadt insbesondere in den Sommermonaten wochentags in drei Schichten und an den Wochenenden in Sonderdiensten im Stadtgebiet unterwegs. Die Mitarbeiter haben Auszüge aus der Polizeiverordnung zum Verhalten in der Öffentlichkeit sowohl in englischer als auch in arabischer Sprache dabei, sodass sie diese bei Bedarf auch an die ausländischen Mitbürger übergeben können. Die Wirksamkeit der Maßnahmen werde man in den nächsten Wochen prüfen. Zudem gibt es gemeinsame Streifendienste mit der Polizei im Stadtzentrum.

Stadtrat Bernd Stubenrauch„Wir als Bürger haben auch eine Verantwortung. Wir müssen genauso mit aufpassen, dass in unserer Stadt Ordnung ist“, sagt der SPD-Kreis- und Stadtrat Bernd Stubenrauch. Er gehört zu den wenigen Plauenern, die versuchen, die Lage besonders am Postplatz zu verbessern. Mehrmals in der Woche rede Stubenrauch mit Ausländern und Menschen, die von der Gesellschaft fallen gelassen wurden. So organisiere der 70-Jährige gerade zum Beispiel eine Waschmaschine für eine der Personen. Er wünscht sich, dass sich mehr Plauener beteiligen, hinschauen und nicht weggucken wenn etwas passiert.

„Ich finde, wir sind auf einem guten Weg, aber das reicht noch nicht aus. Daher fordere ich den Freistaat Sachsen auf, die Polizeireform, die darauf gerichtet ist, die Polizei zu stärken, zügig umzusetzen. Die Polizei muss wieder in die Lage versetzt werden, in den Gemeinden vor Ort präsent zu sein“, fordert der OB mit Nachdruck.

Tatverdächtige zu Straftatenserie ermittelt

Die Aufklärungsquote in der Region liegt bei über 60 Prozent. Kriminalisten des Polizeireviers Plauen und der Plauener Außenstelle der Staatsanwaltschaft Zwickau ist es in Zusammenarbeit gelungen, eine Serie von etwa 170 Straftaten aufzuklären. Die Taten waren beginnend im März 2016 bis hin zum Juli 2017 hauptsächlich im Stadtgebiet Plauen begangen worden. Bei den ermittelten Tatverdächtigen handelt es sich um eine Gruppe deutscher Jugendlicher im Alter von 13 bis 16 Jahren sowie einen 22-jährigen Deutschen.

Zwei Jugendliche sind mittlerweile vom Amtsgericht Plauen zu drei Jahren Freiheitsstrafe und ein Jugendlicher zu zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Insbesondere nach den Taten der letzten Wochen befinden sich mittlerweile zwei weitere Jugendliche in Untersuchungshaft. Zur Sicherstellung der Hauptverhandlung am Amtsgericht sitzt zudem der 22-Jährige in Sitzungshaft.

Taten wurden am Postplatz geplant

Bei den Straftaten handelt es sich mehrheitlich um Diebstahlsdelikte, aber auch um Sachbeschädigungen und Brandstiftungen. So wurde unter anderem in Kioske und andere gastronomische Einrichtungen eingebrochen, um Lebensmittel zu erlangen. Es wurden aber auch Fahrräder, Werkzeuge, Rauchwaren und Bargeld gestohlen. In einigen Fällen blieb es auch beim Einbruchsversuch. Die Diebstahlschäden summieren sich auf etwa 25.000 Euro, die Sachschäden auf 50.000 Euro.

Aufgrund der zum Teil offen, zum Teil verdeckt geführten polizeilichen Ermittlungen ist zu konstatieren, dass viele der Taten bei gemeinsamen Treffen im Bereich des Postplatzes verabredet wurden. Bei entsprechenden Personenkontrollen und Wohnungsdurchsuchungen ist Beweismaterial und Diebesgut festgestellt und beschlagnahmt worden. Die Tatverdächtigen und zum Teil verurteilten Täter zeigten sich teilweise geständig. Zur Motivlage kann eingeschätzt werden, dass die Taten mit einem wesentlichen Anteil der Beschaffungskriminalität zuzuordnen sind, insbesondere die verübten Diebstähle dienten zur Finanzierung des Drogenkonsums. (mar, polizei)

2017-07-21

 

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