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Vogtland Nachrichten

Neuberinhaus in Reichenbach hält an Leiter Zähringer fest

Aufsichtsrat nimmt Kündigung zurück und setzt auf Stabilität am Kulturstandort

Der Aufsichtsrat der Vogtland Kultur GmbH hat die Kündigung von Neuberinhaus-Leiter Severin Zähringer einstimmig zurückgenommen. Damit soll die Handlungsfähigkeit des Kulturstandorts gesichert und Vertrauen in Reichenbach und im Vogtland gestärkt werden.

Severin Zähringer leitet seit Juli 2022 das Neuberinhaus in Reichenbach.
Severin Zähringer leitet seit Juli 2022 das Neuberinhaus in Reichenbach. Foto: Thomas Voigt

Entscheidung in nichtöffentlicher Sondersitzung

In einer nichtöffentlichen Sondersitzung haben die Gesellschafter des Neuberinhauses die aktuellen Entwicklungen rund um die Kündigung von Severin Zähringer beraten. Nach intensivem Austausch und der Abwägung verschiedener Standpunkte entschieden sie, die Kündigung zurückzunehmen.

Geschäftsführer Steffen Gerisch hat diese Entscheidung mitgetragen. In der Sitzung wurden auch rechtliche und wirtschaftliche Risiken für die Vogtland Kultur GmbH berücksichtigt.

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„Für uns als Gesellschafter war entscheidend, die Situation sorgfältig zu bewerten und eine tragfähige Lösung für das Neuberinhaus und die Vogtland Kultur GmbH zu finden. Jetzt geht es darum, Vertrauen wieder aufzubauen und den Blick nach vorn zu richten.“

Landrat Thomas Hennig

Landrat Thomas Hennig, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Vogtland Kultur GmbH, betont die Bedeutung einer tragfähigen Lösung: Für die Gesellschafter sei es entscheidend gewesen, die Situation sorgfältig zu bewerten und eine Perspektive für das Neuberinhaus und die Vogtland Kultur GmbH zu finden. Nun stehe der Wiederaufbau von Vertrauen und der Blick nach vorn im Mittelpunkt.

Handlungsfähigkeit und Zukunft des Neuberinhauses

Die Gesellschafter setzen auf die verlässliche Fortführung des Veranstaltungsbetriebs und die Zukunft des Neuberinhauses als zentralen Kulturstandort für Reichenbach und das Vogtland.

Im Fokus steht die Sicherung der Handlungsfähigkeit des Hauses sowie die Auswertung der zurückliegenden Entwicklungen. Die Entscheidung zur Rücknahme der Kündigung soll die kulturelle Bedeutung des Neuberinhauses für die Region stärken und weiterentwickeln.

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Mit der erzielten Einigung sollen zudem zukunftsorientierte Perspektiven geschaffen werden, die auch die Zusammenarbeit zwischen den Gesellschaftern fördern.

Ein Kulturhaus ohne Begründung für die Kündigung

Ausgangspunkt der aktuellen Debatte war die überraschende Kündigung von Severin Zähringer als Leiter des Neuberinhauses. Das schriftliche Kündigungsschreiben, unterzeichnet von Geschäftsführer Steffen Gerisch, soll nach Angaben von Zähringers Anwalt keine Begründung enthalten haben.

Zähringer, der seit Juli 2022 das Neuberinhaus in Reichenbach leitet, verweist aus arbeitsrechtlichen Gründen auf laufende Verfahren und äußert sich nicht zu den Hintergründen. Er hat rechtliche Schritte gegen seine Entlassung eingeleitet. Auch Gerisch lehnt mit Verweis auf das laufende Verfahren öffentliche Stellungnahmen ab.

Damit stand eine zentrale Kulturadresse im Vogtland zeitweise ohne Leitung und die Region ohne nachvollziehbare Erklärung da, warum einer ihrer bekannten Kulturhaus-Chefs gehen musste.

Kritik an fehlender Einbindung und Transparenz

Besonders irritierend wirkte der Vorgang, weil zentrale Akteure in Stadt und Landkreis nach eigenen Angaben nicht eingebunden waren. Reichenbachs Oberbürgermeister Henry Ruß kritisierte, die Stadt sei weder vorab informiert worden noch kenne er die Gründe für die Entlassung. Als Gesellschafter der Vogtland Kultur GmbH hätte er erwartet, in einer so wichtigen Personalfrage einbezogen zu werden.

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Auch Landrat Thomas Hennig verwies auf fehlende Detailkenntnis. Formal liege die Personalhoheit beim Geschäftsführer der Gesellschaft, nicht beim Aufsichtsrat. Gleichzeitig kündigte Hennig an, den Vorgang innerhalb eines festgelegten Zeitraums aufklären zu lassen.

Damit prallten zwei Ebenen aufeinander: Auf der einen Seite die juristische Sicht, nach der die Entscheidung allein beim Geschäftsführer liegt. Auf der anderen Seite der politische und öffentliche Anspruch, bei einem derart einschneidenden Schritt über die Gründe informiert zu werden – insbesondere bei einem öffentlich finanzierten Kulturhaus.

Rückhalt für Zähringer aus Kultur und Politik

Während eine offizielle Begründung ausblieb, formierte sich im Vogtland breiter Rückhalt für Severin Zähringer. Der Förderverein der Vogtland Philharmonie, deren Konzerte regelmäßig im Neuberinhaus stattfinden, zeigte sich bestürzt und sprach von Unverständnis über die Kündigung. Zugleich würdigte der Verein Zähringers Engagement für das Haus.

Einzelstimmen aus der Kulturszene, etwa aus der Vogtland Philharmonie, beschrieben Zähringer als kreativen und verlässlichen Partner. Mehrere Vereine und Nutzer des Hauses warben öffentlich dafür, den bisherigen Leiter im Amt zu lassen oder zumindest eine Rückkehr nicht auszuschließen.

Parallel dazu wuchs der politische Druck. Vertreter von CDU, Linke, FDP, Grünen und BSW forderten Aufklärung im Kreistag und in den Gremien der Vogtland Kultur GmbH. Gemeinsam war den Forderungen die Erwartung, die Gründe für die Entlassung transparent offenzulegen und eine politische Motivation – etwa im Zusammenhang mit früheren Konflikten um eine AfD-Veranstaltung im Neuberinhaus – auszuschließen. Aus dem AfD-Kreisverband lag zunächst keine Stellungnahme zur Kündigung vor.

Protest und offene Fragen zur Transparenz

Der Unmut über den Umgang mit der Kündigung verlagerte sich auch auf die Straße. Vor dem Neuberinhaus ist eine Demonstration angemeldet worden, zu der unter anderem der Verein „Kunsthalle Vogtland“ aufruft. Offiziell gemeldet sind nach Angaben des Landratsamtes rund 300 Teilnehmende, wobei die Organisatoren je nach Mobilisierung mit deutlich mehr Menschen rechnen.

Die Forderungen der Unterstützer reichen von der Rücknahme der Kündigung bis hin zu einem klaren Bekenntnis zum Neuberinhaus als soziokulturelles Zentrum im Vogtland. Viele der Beteiligten eint vor allem der Wunsch nach Klarheit: Sie wollen wissen, warum überhaupt gehandelt wurde.

Zum eigentlichen Problem wird das Schweigen der Verantwortlichen. Solange weder Geschäftsführer noch Träger öffentlich begründen, warum ein Kulturhaus-Leiter abberufen werden sollte, entsteht ein Vakuum, das Spekulationen Raum gibt.

Spekulationen um AfD-Veranstaltung und Brandschutz

In der Region kursieren vor allem zwei Erklärungsansätze, deren Rolle für die Kündigung aber offiziell ungeklärt ist. Zum einen berichten Medien von einem Konflikt um eine geplante AfD-Veranstaltung im Neuberinhaus. Zähringer soll eine Veranstaltung mit AfD-Bundestags- und Landtagsabgeordneten als parteipolitisch eingestuft und mit Verweis auf die Hausordnung abgelehnt haben, während Vogtland Kultur GmbH und Landratsamt dies anders bewertet haben sollen.

Zum anderen ist von Brandschutzmängeln im Neuberinhaus die Rede. Zähringer wird vorgeworfen, festgestellte Mängel im Brandschutz nicht rechtzeitig behoben zu haben.

Ob, in welchem Umfang und mit welchem Gewicht diese Punkte tatsächlich eine Rolle spielten, ist bislang unklar. Offiziell bestätigt ist keiner dieser möglichen Gründe. Genau hier sehen Kritiker das Transparenzproblem: Ohne nachvollziehbare und überprüfbare Begründung lassen sich Gerüchte kaum einfangen und Vertrauen in die handelnden Personen nur schwer stärken.

Bedeutung für die Kulturszene im Vogtland

Das Neuberinhaus ist eine zentrale Bühne im Vogtland: Spielstätte der Vogtland Philharmonie, Ort für Konzerte, Theater, Vereinsarbeit und bürgerschaftliches Engagement. Viele Akteure haben sich über Jahre auf feste Strukturen, Absprachen und Ansprechpartner verlassen.

Wenn eine solche Einrichtung ihre Leitung verliert oder verlieren könnte, ohne dass der Träger öffentlich erklärt, warum, wirft das grundsätzliche Fragen für die gesamte Kulturszene auf. Es geht darum, wie sicher Führungspositionen in öffentlichen Kultureinrichtungen sind, wie transparent Personalentscheidungen kommuniziert werden und welche Rolle fachliche Kompetenz und inhaltliche Arbeit bei Entscheidungen über Leitungspersonal spielen.

Die Kritik aus Vereinen, Orchestern und Kulturakteuren zeigt die Sorge, andere Faktoren als fachliche Leistung könnten entscheidend gewesen sein. Ob diese Befürchtungen berechtigt sind, kann nur eine offene und vollständige Darstellung der Beweggründe klären.

Umgang mit Parteiveranstaltungen in öffentlichen Häusern

Am Rand des Falls steht eine Debatte, die weit über Reichenbach hinausweist: Wie sollen öffentliche Kulturhäuser mit parteipolitischen Veranstaltungen umgehen?

Im Mittelpunkt steht die Frage, ob ein geplanter „Bürgerdialog“ mit AfD-Abgeordneten als parteipolitische Veranstaltung zu werten ist und damit unter ein Verbot der Hausordnung fällt oder nicht. Nach Medienberichten sah Zähringer darin einen Verstoß gegen die Hausordnung, während der Träger und eine juristische Einschätzung aus dem Landratsamt zu einem anderen Ergebnis kamen.

Offiziell ist nicht belegt, dass dieser Streit ursächlich für die Kündigung war. Klar wird jedoch, wie sensibel der Umgang mit Parteiveranstaltungen in öffentlich finanzierten Kulturhäusern ist. Zwischen Neutralitätspflicht des Staates, Meinungsfreiheit und dem Schutz der eigenen Hausordnung müssen Träger und Leitungen Linien finden, die rechtlich belastbar und politisch vermittelbar sind.

Prüfstein für die Kulturpolitik im Vogtland

Mit der Rücknahme der Kündigung ist eine zentrale Personalfrage zunächst neu geordnet. Für die Kulturpolitik im Vogtland bleibt jedoch eine größere Aufgabe: Die Verantwortlichen stehen unter Druck, die Gründe der ursprünglichen Kündigung offenzulegen, soweit dies rechtlich möglich ist, und transparente Kriterien für Entscheidungen über Leitungspersonal in öffentlichen Kultureinrichtungen zu formulieren.

Ebenso stellt sich die Frage, wie künftig mit parteipolitischen Veranstaltungen in Häusern wie dem Neuberinhaus umgegangen wird und wie sich klare Regeln mit gesellschaftlichen Erwartungen verbinden lassen.

Der Fall Zähringer ist damit mehr als eine Personalie. Er gilt vielen als Prüfstein dafür, wie transparent, nachvollziehbar und dialogbereit Kulturpolitik im Vogtland organisiert ist – und ob das Vertrauen von Bürgern, Kulturschaffenden und Kommunalpolitikern in die Entscheidungsprozesse rund um die Vogtland Kultur GmbH wachsen kann.


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