Unglück auf der Talsperre Pöhl: Vermisste bleiben verschwunden, Angehörige sammeln Spenden
Unterstützung für Familien der Vermissten und Gedenken an einen 28-Jährigen
Vor knapp zwei Wochen sind zwei Männer beim Baden von einem Tretboot aus in der Talsperre Pöhl verunglückt und werden seither vermisst. Die anhaltende Ungewissheit belastet Familien und Freunde schwer. Eine Spendenaktion stellt nun die Unterstützung für die Angehörigen eines der beiden Vermissten in den Mittelpunkt.
Tragisches Badeunglück mit zwei Vermissten
Ende Juni war ein Trio – zwei Männer und eine Frau – mit einem Tretboot auf der Talsperre Pöhl unterwegs. Die beiden Männer gingen ins Wasser und wurden nach bisherigen Erkenntnissen von einer Strömung erfasst. Seitdem fehlt von ihnen jede Spur, obwohl über Tage mit erheblichem Aufwand nach ihnen gesucht wurde.
„Was als Versuch begann, einem Menschen in höchster Not zu helfen, endete in einer unfassbaren Tragödie. Andrei zögerte nicht, als seine Hilfe gebraucht wurde. Er handelte aus Mitgefühl und Menschlichkeit – so, wie jeder ihn kannte. Für uns wird er deshalb für immer ein Held bleiben.“
Maria Werner, startete eine Spendenaktion für Andrei
Für die Familien und den Freundeskreis der Vermissten hat sich das Leben seit dem Unglück grundlegend verändert. Neben der emotionalen Belastung kommen viele organisatorische und finanzielle Fragen hinzu, weil die beiden Männer offiziell weiterhin als vermisst gelten.
Spendenaktion für die Familie von Andrei
Im Mittelpunkt der gestarteten Spendenkampagne steht Andrei, einer der beiden Vermissten. Der 28-Jährige verlor nach Angaben der Initiatoren der Aktion an der Talsperre Pöhl sein Leben, als er versuchte, einem Menschen in einer Notsituation zu helfen. Beschrieben wird er als lebensfroher, warmherziger und hilfsbereiter Mensch, der für andere da war, ihnen zuhörte und mit seiner fröhlichen Art Spuren der Freundlichkeit hinterließ.
Die Spendenaktion wurde von Maria W. ins Leben gerufen. Sie hat auf der Plattform Gofundme unter dem Titel „In Gedenken an Andrei“ eine Sammelaktion gestartet, um vor allem Andreis Mutter, seine Familie und die Angehörigen zu unterstützen. Die Mittel sollen in dieser Ausnahmesituation helfen, anfallende Kosten rund um Bestattung und weitere notwendige Ausgaben zu bewältigen, sofern diese entstehen.
Auf der Plattform sind bereits 1.695 Euro zusammengekommen. Nach Angaben der Initiatoren ist jeder Beitrag – unabhängig von der Höhe – ein wichtiges Zeichen der Anteilnahme. Wer selbst nicht spenden kann, wird gebeten, die Aktion zu teilen, um möglichst viele Menschen zu erreichen.
Die Spendenaktion ist online unter folgender Adresse zu finden:
https://www.gofundme.com/f/andrei-eduard
Wurzeln im Vogtland
Der Fall berührt viele Menschen im Vogtland auch deshalb, weil einer der Vermissten hier aufgewachsen ist. Andrei verbrachte seine Kindheit im Plauener Ortsteil Chrieschwitz, wo er mit Freunden Tür an Tür groß wurde, auf der Straße Fußball spielte und früh enge Freundschaften knüpfte. Später besuchte er mit einem seiner heutigen engsten Freunde dieselbe Schule und Klasse, teilte zeitweise sogar eine Wohnung mit ihm. Sein Umfeld beschreibt, dass er sich im Vogtland ein dichtes Netz aus Freundschaften und Bekanntschaften aufgebaut hatte.
Tagelange Suche ohne Ergebnis

Unmittelbar nach dem Unglück begann eine groß angelegte Suchaktion an und auf der Talsperre Pöhl. Bereits am Unglückstag waren Polizei, Wasserschutzpolizei, Wasserwacht, Rettungstaucher und mehrere Feuerwehren im Einsatz. Die Wasseroberfläche wurde mit Booten und Drohnen systematisch abgesucht, der Einsatz musste jedoch in den Nachtstunden zunächst unterbrochen werden.
In den folgenden Tagen wurden die Maßnahmen mit verstärkter technischer Unterstützung fortgesetzt. Zum Einsatz kamen unter anderem ein Sonarboot, das den Grund der Talsperre technisch abscannt, Suchhunde im Uferbereich sowie Drohnen zur Luftaufklärung, die den Einsatzkräften einen Überblick über schwer zugängliche Zonen gaben. Polizeitaucher suchten gezielt den mutmaßlichen Unglücksort und angrenzende Bereiche unter Wasser ab.
Zwischenzeitlich erschwerte eine Gewitterwarnung die Arbeiten, zeitweise konnten Taucher aus Sicherheitsgründen nicht ins Wasser gehen, während Boote der Wasserschutzpolizei weiter auf der Talsperre unterwegs waren. Trotz aller Anstrengungen blieb die Suche nach den beiden Männern bisher ohne Erfolg.
Wenn Trauer und Ungewissheit bleiben
Für die Angehörigen beider vermisster Männer ist die Situation doppelt schwer: Neben dem Verlust steht die ausbleibende Gewissheit im Raum, solange die Vermissten nicht gefunden sind. Für viele bleibt damit das endgültige Abschiednehmen erschwert.
Nach Angaben der Organisatoren der Spendenaktion könnte ein Teil der eingehenden Mittel auch dazu beitragen, eine mögliche weitere, private Suche zu unterstützen, falls die offiziellen Maßnahmen eines Tages eingestellt werden. Die Kampagne auf Gofundme soll so nicht nur finanziell entlasten, sondern auch ein gemeinsames Zeichen setzen, dass die beiden Männer und ihre Geschichte im Vogtland nicht vergessen werden.








