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Erster Christopher Street Day in Plauen

Plauen ist bunt

Der erste Christopher Street Day in Plauen auf dem Theaterplatz ist Geschichte. Am vergangenen Samstag veranstaltete die Grüne Jugend Vogtland zusammen mit Vereinen und Organisationen erstmals in Plauen den Festtag der LGBTQ-Menschen. Die friedliche Demonstration stand unter dem Motto “Liebe ist bunt!”.

Alle Beteiligten waren in bunten Kostümen, geschminkt oder zumindest mit einer Regenbogenfahne bestückt erschienen. Foto: Sebastian Höfer

Nicht nur „Liebe ist bunt“, sondern so ziemlich alle Beteiligten waren in bunten Kostümen, geschminkt oder zumindest mit einer Regenbogenfahne bestückt, auf dem geschichtsträchtigen Vorplatz des Plauener Vogtlandtheaters versammelt. Dort wo im Wandel der politischen Zeiten, friedliche Demonstranten den bewaffneten Staatsorganen der damaligen DDR gegenüber standen, wurde vermutlich ein neues Kapitel im Geschichtsbuch der Spitzenstadt geschrieben. Was heute für den Großteil unserer Gesellschaft nahezu Normalität ist, wäre vor reichlich 30 Jahren undenkbar gewesen. Mit Umhängeschildern „Free Hugs“, die in englischer Sprache für eine kostenlose Umarmung warben, liefen die vorwiegend jungen Teilnehmer der bunten Demonstration umher und tanzten wild zu den Titeln eines engagierten DJ’s.

Was ist eigentlich der Christopher Street Day?

Mit dem bezeichnenden CSD wird jährlich an den ersten bekannten Aufstand von sexuellen Minderheiten und Homosexuellen erinnert. Am Morgen – des 28. Juni im Jahr 1969 – kam es zum sogenannten Stonewall-Aufstand gegen Polizei-Willkür in der New Yorker Christopher Street. Brutale Razzien in szenetypischen Kneipen waren an der Tagesordnung. Immer wieder gab es Misshandlungen in Lokalitäten mit homosexuellen und transsexuellen Gästen. Ein ausgemachtes Ziel der polizeilichen Maßnahmen waren vordergründig Afroamerikaner und sexuelle Minoritäten aus Lateinamerika.

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Tagelange Straßenschlachten mit der Polizei

An jenem denkwürdigen Tag wehrten sich transsexuelle Latinas, dunkelhäutige und vor allem Dragqueens gegen die unsäglichen Kontrollen der Polizei. Der Funke der Gewalt sprang am Abend über und bescherte den New Yorker Uniformierten Straßenschlachten und Auseinandersetzungen über mehrere Tage. Mit einem Straßenumzug wird am letzten Samstag im Juni, an den Aufstand und die Rebellion der Anderslebenden und -liebenden erinnert. Mittlerweile ist der CSD international augenscheinlich so in Mode, dass es weltweit sommerliche Demos von Lesben, Schwulen und weiteren Teilnehmern aus der LGBT-Community gibt. Während in Deutschland, der Schweiz und in Österreich der CSD gefeiert wird, spricht man von „Pride Parades“ oder „Gay Prides“ im englischsprachigen Raum.

Was ist “LGBT”?

Hinter dem Begriff englischen Begriff „LGBTQ“ verbirgt sich ein Zusammenschluss von Menschen, mit den entsprechenden sexuellen Orientierungen (lesbisch, schwul, bisexuell, transgender und queer) im Kampf gegen Diskriminierungen und Anfeindungen.

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Wir sind “queer”

Die fünfzehnjährige Mia Kraus und ihre zwei Jahre ältere Freundin Marie Otto bezeichnen sich selbst als queer. Sie wollten mit Ihrer Teilnahme den CSD und die Quere Community unterstützen. Galt der Begriff „queer“ vor Jahren noch als Abwertung von homosexuellen Menschen, wird dieser seit rund 25 Jahren im Guten gebraucht und bezeichnet vorrangig nicht heterosexuelle Menschen. Unter der Sammelbezeichnung „queer“ grenzen sich Handlungen, Dinge und Menschen durch ihre geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung, von der einhergehenden Weltanschauung mit Heterosexuellen als Normalität, ab.

Wir sind „queer“ – So bezeichnen sich Mia Kraus (grüner Hut) und Marie Otto selbst, beim ersten Christopher Street Day in der Spitzenstadt Plauen. Foto: Sebastian Höfer

Geschlechter und Identitäten

Mann oder Frau – bis heute gelten für die Mehrheit der Weltbevölkerung diese zwei Geschlechter. Doch gibt es immer mehr Geschlechter und einhergehende Identitäten, die sich weder als „sie“ oder „er“ bezeichnen, sondern mit dem geschlechtsneutralen Pronom „em“ angesprochen werden möchten. Diese nichtbinären Geschlechtsidentitäten, wie „genderqueer“, „genderfluid“, „bigender“, „pangender“, „agender“, „demigender“, „abinär“ und auch intergeschlechtliche Personen sind so umfänglich und vielfältig in ihrer Bedeutung und Erklärung, dass eine detaillierte Erläuterung hier in unserer Zeitung nicht möglich ist.

Ein bunter Nachmittag in der Spitzenstadt, brachte die positive Auseinandersetzung mit der wachsenden LGBTQ-Gemeinschaft in der Plauener Bevölkerung. In einer Demokratie kann ein jeder Mensch sagen, was ihn bewegt oder was er will, doch darf es weder Menschen und Identitäten bedrohen, diskriminieren oder gar verletzen. Die queere Gemeinde wollte mit ihrem ersten CSD in Plauen zeigen, dass das Vogtland für eine bunte und vielfältige Gesellschaft einsteht. Auch wollten die Vorstandsvorsitzenden der Grünen Jugend Vogtland – Lea-Sophie Gauglitz und Valentin Hammig – einen Raum zur „queer“-Vernetzung bieten.

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