Aggressive Telefonverkäufe setzen ältere Verbraucher unter Druck
Eine 82-jährige Frau aus Plauen wollte mit dem Kauf von Toilettenpapier und Küchenrollen Menschen mit Behinderungen unterstützen. Am Ende stand sie vor einem Berg Hygieneartikel und drohenden Kosten von mehr als 1.000 Euro – trotz fristgerechten Widerrufs.
Gut gemeinte Unterstützung wird zur Belastung
Die Seniorin wurde unerwartet telefonisch kontaktiert. Der Anrufer stellte sich als Mitarbeiter des Unternehmens R. Kaniss aus Duisburg vor. Im Gespräch bat er sie, durch den Kauf von Toilettenpapier und Küchenrollen die Beschäftigung von Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen zu unterstützen.
Zunächst lehnte die 82-Jährige ab. Sie machte deutlich, dass sie weder den geforderten Gesamtbetrag von mehr als 1.000 Euro bezahlen noch die große Warenmenge lagern könne. Der Verkäufer blieb jedoch hartnäckig. Schließlich willigte die Rentnerin ein, die Ware in vier Teilabschnitten liefern zu lassen.
„Die 82-Jährige schilderte uns, der Mitarbeiter habe unter Tränen und Flehen an sie appelliert, die Ware abzunehmen. Solche emotionalen Drucksituationen können Verbraucherinnen und Verbraucher erheblich beeinflussen.“
Jasmin Trautloft von der Verbraucherzentrale in Plauen
Bereits die erste Teillieferung sorgte für Ernüchterung: 48 Rollen Toilettenpapier und 40 Rollen Küchenpapier schlugen mit insgesamt 260,94 Euro zu Buche. Umgerechnet entspricht dies rund 2,64 Euro pro Rolle Toilettenpapier und 2,85 Euro pro Küchenrolle zuzüglich Versandkosten. „Aus unserer Sicht stehen die Preise in keinem angemessenen Verhältnis zu den üblichen Marktpreisen“, sagt Jasmin Trautloft.
Widerruf mit Unterstützung der Verbraucherzentrale
Gemeinsam mit der Verbraucherzentrale Sachsen widerrief die Seniorin den telefonisch geschlossenen Vertrag fristgerecht. Die Ware schickte sie mit dem beiliegenden Retourenschein zurück und dokumentierte den gesamten Vorgang sorgfältig.
Trotz des Widerrufs war die Angelegenheit für die 82-Jährige nicht beendet. Sie erhielt weiterhin Rechnungen, Mahnungen und Zahlungsaufforderungen. Zudem wurde ihr telefonisch angekündigt, die Ware werde erneut versendet.
Verbraucherzentrale warnt vor Druck am Telefon
Die Verbraucherzentrale Sachsen warnt in diesem Zusammenhang vor aggressiven Telefonverkäufen, die insbesondere ältere Menschen unter Druck setzen. Der Fall der Plauener Rentnerin zeigt, wie stark emotionale Appelle und hohe Hartnäckigkeit am Telefon Entscheidungen beeinflussen können – mit erheblichen finanziellen Folgen für die Betroffenen.
Verbraucherzentralen warnen vor solchen Praktiken
Die Verbraucherzentrale Sachsen bezeichnet das Vorgehen als unangemessen und sittenwidrig und empfiehlt:
- Bei unerwarteten Werbeanrufen keine spontanen Kaufentscheidungen treffen.
- Rechnungen und Vertragsunterlagen nach telefonischen Abschlüssen genau prüfen.
- Der Widerruf sollte fristgerecht schriftlich erfolgen, wenn der Vertrag rückgängig gemacht werden soll.
- Bei Unsicherheiten rechtlichen Rat einholen.
Laut Verbraucherzentrale Sachsen können Verbraucher sich bei problematischen Verträgen beraten lassen und Unterstützung bei der Durchsetzung ihrer Rechte erhalten.







