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Obere Bahnhofstraße für den Verkehr öffnen

Klotz: “Schaffen Sie Unruhe”

130312 TesterMit kiloweise Infomaterial hatte sich Städtetester Christian Klotz auf seine Tour durchs Vogtland vorbereitet. Der 67-jährige “City-Guru” spürte bei einem Besuch die Makel beim Marketing in Plauen, Bad Elster, Markneukirchen und Reichenbach auf.

Wenn in zwei Jahren im Plauener Stadtzentrum das ehemalige Horten-Kaufhaus als neues Landratsamt eröffnet wird, werden aus heutiger Sicht in der ersten Etage keine Geschäfte angesiedelt sein. Einzelhandel ist nicht geplant, heißt es von Kerstin Büttner, Sprecherin des Vogtlandkreises, auf Anfrage. Eine falsche Entscheidung für die Entwicklung der Innenstadt, die so genannte 1A-Lage, sagt Deutschlands Städtetester Christian Klotz. In diesem Bereich müssen Läden sein und keine Bankfiliale, wie derzeit neben einer Cafeteria angedacht ist. “Machen Sie nicht den Fehler”, appellierte Klotz lautstark an die Verantwortlichen, die letzte Woche auch zahlreich zur Auswertung seiner Eindrücke in den großen Saal der IHK in Plauen gekommen waren.

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Verwaltung, Versicherungsfilialen oder Kreditinstitute seien für eine Flaniermeile schädlich. Hier gehen am Nachmittag die Lichter aus und es wird dunkel, meint Klotz. “Der Einzelhandel entscheidet über den Stadt-Erfolg.” Hell beleuchtete und großzügig angelegte Schaufenster mit wechselnder Dekoration erhöhen die Qualität der angesagtesten Straße in der Stadt, sagt Klotz. Schon mehr als 1000 Städte habe er in den letzten Jahrzehnten unter die Lupe genommen.

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In Plauen sollte die Konzentration der Läden auf den Bereichen zwischen Kolonnaden und Altmarkt liegen. Hier müsse man den Einzelhandel verdichten. Die obere Bahnhofstraße kann mit der Freigabe für den Verkehr wiederbelebt werden. Auch Parkplätze sollten entstehen. “Schaffen sie Unruhe.”

Kritik gab es auch für den Altmarkt. “Plauener waren nicht da und Touristen finden ihn nicht”, meint Klotz. Man müsse beim Klostermarkt darauf hinweisen, wie schön die Altstadt sei. Dazu komme, dass auf dem gesamten Platz Parkverbot ist. “Was hat sich der Beamte dabei gedacht?” Wenn nur etwa 17 Prozent der Kunden sich in der Innenstadt von Plauen aufhalten, könne man nicht noch hohe Parkgebühren von einem Euro pro Stunde verlangen, bemängelt Klotz.

Durch die großen Einkaufsmärkte und Shoppingcenter abseits der City und am Stadtrand würden zu viele Kunden dem Zentrum fern bleiben. Die Situation auf der grünen Wiese, die in den 1990er Jahren durch die Stadtvertreter herbeigeführt wurde, werde sich in den nächsten Jahren wieder ändern, so Klotz. Das wichtigste sei das Einzelhandelskonzept, das festlegt, welche Geschäfte sich wo ansiedeln dürfen. Viele große Ketten werden sich zudem wegen sinkenden Umsätzen durch die allgemeine Entwicklung wieder zurückziehen, schätzt Klotz ein. Auch das Verkehrsverhalten der Kunden, beispielsweise durch Rekord-Sprit-Werte, werde sich ändern und dazu beitragen.

Den Unternehmern und Händlern der Region gab der Bad Reichenhaller mit auf den Weg, auch wenn es die Zeit schwer zulässt, sich in ihrer Stadt zu engagieren. Zum Schluss bedankte sich Klotz, dass keiner den Saal während des Vortrages verlassen hatte. Den Zuhörern schien die provokative Auswertung der Eindrücke gefallen zu haben. Ob einige Dinge geändert werden, die angeprangert wurden, bleibt abzuwarten. (mar)

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2012-03-13

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