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Wie Plauen mit Kerzen, Jugendlichen und Stadtgeschichte die Friedliche Revolution neu erlebbar macht

Nacht der Kerzen 2026 in Plauen: Lichterzug, „Transparente der Freiheit“ und junge Stimmen im Kerzenmeer

Es war ein stimmungsvoller, intensiver Abend: Zur „Nacht der Kerzen“ 2026 leuchteten hunderte Kerzen für Freiheit, Mut und Demokratie. Am Einheitsdenkmal, am Portal der Lutherkirche und im großen „PL‑Rahmen“ stellten die Menschen ihre Lichter ab und verwandelten den Thomas‑Küttler‑Platz und seine Umgebung in ein emotionales Lichtermeer.

Ein zentrales Bild dieses Abends waren die „Transparente der Freiheit“ im Lutherpark. Auf über 20 großen Transparenten haben Kinder und Jugendliche aus Plauen sich Gedanken zu Demokratie und Freiheit gemacht – im Geist von Siegmar Wolf, der 1989 bei der Großdemonstration am 7. Oktober in Plauen als Erster ein Transparent hob und damit den Beginn der Friedlichen Revolution mitprägte. Dass heute wieder Transparente in der Stadt hängen, jetzt mit Botschaften einer jungen Generation, war vielen Besucherinnen und Besuchern zur Nacht der Kerzen ein besonderes Anliegen.

Junge Generation im Fokus: Warum Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist

Oberbürgermeister Steffen Zenner betonte, wie wichtig diese Brücke zwischen 1989 und heute ist:
„Die jungen Menschen, die haben doch keinen Bezug mehr zu dieser Zeit, die die 1989 in einer Diktatur erlebbar waren. Und da muss man sie mitnehmen, sie sensibilisieren und ihnen klarmachen: Demokratie, das ist nicht selbstverständlich. Dafür muss man arbeiten.“

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Lehrkräfte, Eltern und Kinder nahmen die Einladung mit großem Interesse an. „Die Kinder waren von Anfang an begeistert dabei. Es ist ja jetzt in der heutigen Welt umso wichtiger, bei so was mitzumachen und für was einzustehen, was man denn jetzt gerade draufschreiben würde“, sagt Susann Thoß von der Erich‑Ohser‑Grundschule. Besucherin Ellen Meinel unterstrich, wie wertvoll es sei, die Perspektive der Jüngeren sichtbar zu machen: „Ich finde das eine geniale Idee, dass man die Kinder auch noch einmal drauf los lässt zu überlegen, was ist Freiheit für dich, was ist Demokratie?“

Für viele war spürbar, dass die Themen von 1989 kein historisches Kapitel, sondern hochaktuell sind. „Ich finde es ganz wichtig, dass auch so viele Plakate hängen, weil man das, was da draufsteht, in der heutigen Zeit eigentlich immer noch sehen muss und auch umsetzen muss. Und deswegen freuen wir uns so, dass unser Plakat da jetzt hier auch mit hängt“, sagt Kate Jahn.

„Transparente der Freiheit“ im Lutherpark: Jugendliche schreiben ihre Geschichte

Pfarrer Andreas Vödisch von der Markuskirche sieht in der Aktion einen besonders gelungenen Zugang für Jugendliche: „Und ich fand da die Aktion ‚Transparente der Freiheit‘ so schön, weil ich gedacht habe: Das kann man mit Jugendlichen gut machen. Es entsteht was. Die Frage: Was würden wir auf das Plakat schreiben? Was treibt uns jetzt um? Und ich denke, das ist ein cooler Beitrag zu dieser Nacht der Kerzen heute, dass die Jugendlichen merken: Sie werden gehört, es wird gelesen, es wird geguckt, was sie so schreiben.“

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Wie groß der Kontrast zur Situation von 1989 ist, machte Pfarrer Knut Meinel von der Lutherkirche deutlich: „Dass das jetzt möglich ist – dass hier Plakate hängen. Vor 37 Jahren war das sehr gefährlich, und heute können wir es einfach hinhängen.“

Aus dem Team rund um die „Nacht der Kerzen“ schildert Martin Reißmann den Ansatz der Aktion: „Wir haben ja auch nicht vorgegeben, was draufgeschrieben wird. Es gab Farbe, Pinsel und ein weißes Transparent, und jeder durfte damit machen, was er möchte. Welche Gedanken er hat, durfte er sozusagen draufbringen.“ Gerade diese Offenheit machte die „Transparente der Freiheit“ zu einem starken Spiegelbild dessen, was junge Menschen in Plauen heute bewegt.

2. Plauener Lichterzug: Mit Kerzen auf der historischen Demoroute

Rund um die Ausstellung erlebten die Besucherinnen und Besucher ein vielfältiges Programm. Ein zentrales, emotionales Element des Abends war erneut der Plauener Lichterzug, der sich als fester Bestandteil der „Nacht der Kerzen“ etabliert. Mit Kerzen in der Hand liefen die Teilnehmenden über einen Teil der historischen Demoroute vom 7. Oktober 1989 und machten so nachvollziehbar, wie viel Mut es damals kostete, trotz Überwachung und Drohungen auf die Straße zu gehen. Das Kerzenlicht stand dabei als Symbol für Hoffnung, Zivilcourage und die Kraft des gewaltfreien Protests.

Eine Laser-, Licht- und Videoinstallation am Wende‑Denkmal setzte historische Bilder, Zitate und Botschaften von damals und heute eindrucksvoll in Szene. Zwischen Lichterzug, Projektionen und Kerzenmeer wurde der Thomas‑Küttler‑Platz so zu einem Ort, an dem Stadtgeschichte im wahrsten Sinne des Wortes „hautnah“ spürbar wurde.

Junge Live‑Musik im Kerzenmeer: Amanda Fietz und Band um Lilly Böse auf der Bühne

Auf der Bühne sorgten junge Künstlerinnen und Künstler aus dem Vogtland für starke musikalische Momente. Die 23‑jährige Treuener Pop- und Rocksängerin Amanda Fietz berührte mit ihrer gefühlvollen Stimme und Songs, die den Bogen von persönlicher Emotion zu den großen Themen des Abends spannten. Sie steht für einen Musikstil, der nicht streng nach Noten, sondern aus dem Gefühl heraus lebt – und genau diese Authentizität passte zur Atmosphäre der „Nacht der Kerzen“.

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Sängerin Lilly Böse und ihre Band aus Schülerinnen und Schülern der Musikschule Rodewisch brachten mit energiegeladenem Pop und Rock frischen Sound auf den Thomas‑Küttler‑Platz. Auch wenn die Formation nicht in voller Besetzung auftreten konnte, sorgten die jungen Musikerinnen und Musiker mit großer Spielfreude dafür, dass der Platz im Takt der Gegenwart vibrierte – mitten zwischen Einheitsdenkmal, Lutherkirche und Kerzenlicht. Viel Applaus gab es für die Nachwuchskünstler aus dem Göltzschtal.

Zwischen den musikalischen Beiträgen erinnerten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen in kurzen Statements an die Anspannung und den Mut des Herbstes 1989. So wuchsen Kerzenlicht, Erinnerungen und heutige Stimmen zu einer gemeinsamen Erzählung über Demokratie, Freiheit und Verantwortung zusammen.

Fazit: Plauen leuchtet – Erinnerung, Gegenwart und Zukunft an einem Abend

Die „Nacht der Kerzen“ 2026 zeigte eindrucksvoll, wie sich Stadtgeschichte, Jugendkultur und gelebte Demokratie verbinden lassen. Hunderte Kerzen, der 2. Plauener Lichterzug, die „Transparente der Freiheit“ im Lutherpark und die jungen Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne machten deutlich: Plauen erinnert sich nicht nur – Plauen fragt zugleich, was Freiheit und Demokratie heute bedeuten und wie wir sie gemeinsam bewahren können.

Hintergrund:

„Transparente der Freiheit“ ist ein Projekt der Evangelisch-Lutherischen Markus-Paulus-Kirchgemeinde Plauen (KdöR) in Zusammenarbeit mit der Stadt Plauen und dem in Gründung befindlichen DenkKultur Vogtland e.V. Es wird von der Partnerschaft für Demokratie im Vogtlandkreis im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert und unterstützt. Das Projekt stärkt Demokratie und Beteiligung und fördert eine vielfältige und respektvolle Stadtgesellschaft.

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