Erbschaften in Sachsen: Selten und unterdurchschnittlich

Sachsen erben künftig nur Mini-Summen – und nur am seltensten von allen Bundesländern

GeldIn Sachsen kündigen so wenige Bürger wie in keinem anderen Bundesland an, ein Erbe vergeben zu wollen, nämlich 40% (Bundesschnitt 49 %). Zum Vergleich bei dem Spitzenreiter Baden-Württemberg sind es 55 %.

Die Höhe der in Zukunft im Freistaat geplanten Erbschaften ist zudem deutlich unterdurchschnittlich. 27 % der angekündigten Vererbungen liegen bei über 100.000 Euro. Das ist der niedrigste Wert aller Bundesländer! (Bundesdurchschnitt 40 %). Hier befindet sich Sachsen ganz am Ende des Ranking in reiner Ost-Gesellschaft von Thüringen (28 %) und Sachsen-Anhalt (29 %). Mecklenburg-Vorpommern verzeichnet mit 38 % einen höheren Wert. Zum Vergleich: Beim Spitzenreiter Rheinland-Pfalz liegt die Quote hoher Erbschaften bei 49 %.

Bei bisher bereits vergebenen Erbschaften hinkt Sachsen den meisten Ländern (vor allem im Westen) weit hinterher: Bei nur 6 % der erfolgten Erbschaften in Sachsen lag der Wert der Erbschaft bisher höher als 100.000 Euro. Das ist im Bundesländer-Vergleich nur ein Bruchteil der Quote wie im Bundesdurchschnitt (16 %). Zum Vergleich: in Hessen, dem Spitzenreiter in diesem Ranking gibt es zu 24 % solch üppige Erbschaften haben (Bundesschnitt 16 %). Geringer als in Sachsen sind die Erbschaften nur in Sachsen-Anhalt (5%). Thüringen (7 %) und Berlin und Mecklenburg-Vorpommern (je 8%) sind geringfügig höher.

Sachsens Bürger streiten beim Erben im Bundesländervergleich ganz wenig. Im Freistaat war das nur bei 14 % der Erbschaften der Fall (Bundesschnitt 18 %). Nur in Sachsen-Anhalt und Berlin (je 13 %) war die Streit-Quote geringer.

In Sachsen ist in 73 % der Erbschaften Bargeld oder Bankguthaben enthalten und damit deutlich überdurchschnittlich (zweithöchster Wert nach Mecklenburg-Vorpommern mit 76 %, Bundesschnitt 66%), zu 22 % der Erbschaften gehören Immobilien (Schnitt 34 %) zum Erbe, das ist der tniedrigste Bundesländer-Wert, mit 18 % der Erbschaften ist unterdurchschnittlich oft Schmuck enthalten (Bundesschnitt 21 %). Zu 7 % der Erbschaften gehören Wertpapiere (Aktien oder Fonds) zum Erbe, weniger als der Bundesschnitt von 9 %.

Mit den bisherigen Erbschaften sind die Sachsen überdurchschnittlich zufrieden: 83 % bezeichnen die Regelung der sie betreffenden Erbschaft „voll und ganz” oder „eher gerecht”. Das ist im Bundesländervergleich (Bundesschnitt 80 %) ein knapp überdurchschnittlicher Zufriedenheits-Wert. Auf der anderen Seite bezeichnen 14 % die Regelung der sie betreffenden Erbschaft „voll und ganz” oder „eher ungerecht”. Das ist im Bundesländervergleich (Bundesschnitt 17 %) ein unterdurchschnittlicher Wert.

Bundesländer-Vergleich: Jede fünfte Erbschaft in Deutschland liegt künftig über einer Viertelmillion Euro

In Bayern wird am häufigsten geerbt, in Hessen gibt es die meisten Groß-Erben Immobilien-Nachlässe nehmen zu und sind bald in jedem zweiten Erbe enthalten Fast die Hälfte der Deutschen fühlt sich nicht ausreichend zum Thema informiert Bundesweit repräsentativer Vergleich aller Bundesländer durch die Quirin Privatbank und das internationale Marktforschungsinstitut YouGov

Erbschaften werden zum Massenphänomen in Deutschland: Mehr als jeder dritte Erwachsene hat mindestens schon einmal geerbt (35 %), bei den über 55-Jährigen sogar mehr als die Hälfte. Regionale Spitzenreiter sind die Bayern (38 %), Schlusslichter die Bewohner von Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern (31 %). Große Erbschaften gab es bisher am häufigsten in Hessen, wo jeder vierte Erbe mindestens 100.000 Euro vererbt bekam, gefolgt von den Bundesländern Bayern und Hamburg.

Zukünftig werden Erbschaften in diesem Umfang in Deutschland aber immer wahrscheinlicher. Vier von zehn Deutschen, die selbst etwas vererben wollen, schätzen den Wert der Erbmasse auf mindestens 100.000 Euro, jeder fünfte sogar auf mehr als eine Viertelmillion Euro. Wesentlicher Grund dafür sind Immobilien, die künftig wahrscheinlich schon in mehr als jedem zweiten Erbe enthalten sein werden.

Das sind Ergebnisse einer bundesweiten, in allen 16 Bundesländern repräsentativen Studie der Quirin Privatbank in Zusammenarbeit mit dem internationalen Marktforschungsinstitut YouGov Deutschland.

Auf Basis von 7.432 Online-Interviews wurde im April 2017 ermittelt, wie viele Erwachsene schon einmal geerbt haben, zukünftig ein Erbe erwarten oder selbst planen, ein Erbe zu vergeben. Karl Matthäus Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Quirin Privatbank: „Die Themen Erben und Vererben werden in Deutschland immer wichtiger – damit steigen der Informationsbedarf der Menschen und die Anforderungen an die Berater nachhaltig.”

Jeder Zweite will vererben – aber nicht nach starren Regeln

Jeder zweite Erwachsene in Deutschland hat vor, etwas zu vererben. Am häufigsten in Baden-Württemberg (55 %), am seltensten in Sachsen (40 %). Nur jeder achte Deutsche findet es dabei wichtig, die Verteilung einer Erbschaft zuvor mit allen Beteiligten zu besprechen. Die exakt gleichmäßige Verteilung unter den Erben hält die Hälfte der Deutschen für gerecht. Jeder Fünfte findet es aber auch gerecht, wenn Menschen, die es nötig haben, mehr bekommen als andere oder sogar alles.

Immobilien spielen wachsende Rolle, besonders in Ostdeutschland

Immobilen werden bei Erbschaften immer bedeutender. Bisher waren laut der Quirin-Privatbank-Studie Häuser, Grundstücke oder Wohnungen bundesweit in jedem dritten Erbe (34 %) enthalten – besonders häufig in Rheinland-Pfalz (46 %), am seltensten in Sachsen (22 %). Das dürfte sich künftig ändern:

Jeder zweite Befragte, der eine Erbschaft vergeben will, also auch jeder zweite, der eine Erbschaft erwartet, geht davon aus, dass Immobilien zur Erbschaft gehören werden. „Auch in Ostdeutschland ist das so, obwohl es hier bisher viel seltener Immobilienerbschaften gab als im Westen”, weiß Karl Matthäus Schmidt. In der Vergangenheit, so die Erkenntnis der Quirin-Privatbank-Studie, haben bundesweit allerdings nur etwa ein Viertel der Erben die geerbte Immobilie selbst bezogen.

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Teilweise große regionale Unterschiede und hoher Informationsbedarf

Bislang musste im Schnitt jeder siebte Erbe in Deutschland Erbschaftsteuern bezahlen. Im Saarland war das mit 20 % doppelt so häufig der Fall wie in Sachsen-Anhalt mit nur 11 %. Durch die hohe Eigenheimquote im Saarland erwarten die Menschen dort mit Abstand auch am häufigsten, eine Immobilie zu erben. Und tatsächlich haben die Saarländer bundesweit am häufigsten auch vor, eine Immobilie zu vererben.

Auseinandersetzungen zwischen Erben gab es am häufigsten in Bremen. Mehr als jeder vierte Erbe in der Hansestadt berichtet von Streitfällen – deutlich mehr als im bundesdeutschen Schnitt (18 %) und doppelt so häufig wie in Berlin oder Sachsen-Anhalt. Knapp die Hälfte aller Deutschen, gleichermaßen in West- wie in Ostdeutschland, fühlt sich beim Thema Erben und Vererben schließlich nicht ausreichend informiert.

Der größte Beratungsbedarf wird bei den Themen Erbschaftsteuer, Testamente und Beurkundungspflichten gesehen. „Sechs von zehn Befragten halten es laut unserer Studie für wichtig, dass Banken sie bei diesem Thema ausführlich informieren und unterstützen”, betont Vorstandsvorsitzender Schmidt.(text: quirinprivatbank.de/yougov/seb;foto:pixabay/werbefabrik)

2017-06-09

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