Plauen hat zu laute Rathausglocke

Nächtliche Abschaltung gefordert

180811 RathausuhrFernsehsender, Tageszeitungen und andere Medien wollen über Pierre Grimm berichten. Der 29-Jährige wohnt am Altmarkt in Plauen und hat eine Debatte um die zu laute Glocke der Rathausuhr losgetreten.

Jahrelang hat sich an der stündlich ertönenden Glocke der Plauener Rathausuhr am Altmarkt niemand öffentlich gestört. Doch in diesem Sommer scheint der Ton lauter zu werden. Jetzt fordern mehrere Anwohner das nächtliche Abschalten des vermeintlich schlafstörenden Zeitmessers. Besonders schlimm sei es um Mitternacht, wenn die Glocke insgesamt 16 Mal schlägt – vier Mal für die volle Stunde und zwölf Mal für die Geisterstunde.

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Auch Peter Gogsch ist inzwischen von dem stündlichen Gebimmel auf dem sonst so ruhigen Altmarkt in der Nacht genervt, sagt der 69-Jährige. Seit sieben Jahren wohnt er am Markt – das Schlafzimmer zur Rathausuhr gewandt. Immer wieder komme es vor, dass er wegen der Glockengeräusche in der Nacht nicht einschlafen kann. “Du kannst im Sommer kein Fenster aufmachen. Alle, die hier wohnen, sagen, die Uhr ist zu laut.” Ein Abstellen des Stundenschlags in der Zeit zwischen 22 und 6 Uhr, wie es derzeit im Gespräch ist, würde Gogsch begrüßen, meint er.

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Den Anstoß zur nun eingeläuteten Debatte gab Pierre Grimm. Der Plauener wohnt seit Sommer 2010 am Altmarkt. Nach der Fassadensanierung in diesem Jahr fiel dem 29-Jährigen das lautstarke Läuten der Uhr in der Nacht besonders auf. Bei der Stadt fragte er per Mail an, ob es möglich sei, die Uhr in eine Nachtruhe zu versetzen. Eine Lärmmessung durch die Immissionsschutzbehörde des Vogtlandkreises untermauerte den Verdacht der Anwohner jetzt. Der nächtliche Richtwert von 65 Dezibel (dB) wird mit 76 dB erheblich durch das Glockenläuten überschritten, so Antje Helisch von der Behörde. Der Stundenschlag ist demnach fast so laut wie ein Rasenmäher.

Die Stadtverwaltung prüft nun die weitere Vorgehensweise. Informiert wurde auch der Uhren-Meister, der Uhrwerk, Glocken und Mechanik im vergangenen Jahr restauriert hat. Eine Abschaltung des Schlagwerks sei seiner Meinung nach möglich, heißt es aus dem Rathaus. Doch eine Veränderung des Mechanismus ist nicht einfach. Das Uhrwerk stammt aus dem Jahr 1882. Alle Teile erforderten nach der Renovierung eine Feinabstimmung. “Es muss deshalb auch geprüft werden, inwieweit durch unregelmäßige Eingriffe, physikalisch bedingt negative Einwirkungen zu erwarten sind, der Verschleißgrad erhöht beziehungsweise kürzere Wartungsintervalle notwendig werden”, sagt Stadtsprecherin Silvia Weck auf Anfrage.

Bei der Debatte ein Wörtchen mitzureden hat, da die Uhr ein technisches Denkmal ist, auch der Denkmalschutz in Dresden. Daher können derzeit noch keine genauen Angaben gemacht werden, ob die Glocke in der Nacht überhaupt still bleibt und wenn ja, ab wann. Auch zu den konkreten Kosten kann noch nichts gesagt werden. Durch den Stadtrat muss das Thema nicht, jedoch werde der zuständige Ausschuss dazu beraten. (mr)

2011-08-18

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