Nach Raub: Vogtländer in Leipzig undercover unterwegs

Luxus-Sauna-Bauer Bernd Erdmann im Interview

Bernd Erdmann in Leipzig Undercover unterwegsUm seine weltweiten Unternehmenskontakte wiederzubekommen, hat der vogtländische Luxus-Sauna-Bauer Bernd Erdmann aus Weischlitz in der Leipziger Unterwelt ermittelt. Dazu hat er sich als Bettler getarnt und mehrere Nächte auf der Straße in der Messestadt gelebt. Bei uns schildert er seine Eindrücke.

Bei einem Einbruch in sein Fahrzeug am 4. November gegen 11.30 Uhr auf der Reudnitzer Straße in Leipzig wurde er ausgeraubt. „Es wurden meine Aktentasche mit meinen BNI Geschäftskontakten und meinem iPad gestohlen“, sagt Bernd Erdmann im Spitzenstadt.de Interview.

Nach Raub Vogtländer in Leipzig Undercover unterwegsBernd Ermann, Sie waren als Obdachloser kurz vor Weihnachten in der Leipziger Innenstadt unterwegs. Wie war Ihre erste Nacht auf der Straße in Leipzig? Hatten Sie nicht gerade nach dem Anschlag in Berlin auf dem Weihnachtsmarkt besonders Angst?

„Ich war bis 23:15 auf der Peters Straße und habe dort gebettelt. Meine Erfahrung war überwältigend. Es war eine besondere Stimmung. Ich denke schon, dass es etwas mit dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt zu tun hatte. Von den Menschen die mir etwas gegeben haben, ist mehr geblieben als nur der Euro. Ich sehe immer noch das Lächeln auf ihren Lippen und das leuchten in ihren Augen. Es wurden extra Lebensmittel für mich gekauft, um sie mir dann zu schenken. Ich habe einige interessante Gespräche führen können. Es war leider ziemlich kalt und ich habe ganz schön heftig gefroren. Als ich dann später eine Ecke im Bahnhof gefunden hatte, um dort auf dem Boden zu schaffen, war die Nacht doch ziemlich kurz. Schon 3:15 Uhr wurde ich vom Wachschutz geweckt, damit die Reinigung der Fußböden erfolgen konnte.“

Wie haben denn die anderen Obdachlosen auf dich reagiert?

„Ein Erlebnis hat mich zu Tränen gerührt. Ein anderer Bettler hatte Mitleid mit mir und bot mir an, bei ihm Weihnachten feiern zu können, damit ich nicht alleine sein muss. Ich könnte auch ein bis zwei Nächte bei ihm bleiben. Er hat zwar kein Bett für mich, aber er würde eine Ecke seines Zimmers für mich Freiräumen. Dieses Angebot bekam ich nach dem wir uns noch nicht einmal eine Stunde kannten. Ein Mensch, der selber nichts hat, teilt das wertvollste was wir schenken können. Nächstenliebe und Wertschätzung.“

So bettelte Bernd Erdmann auf Leipzigs Straßen

Wieso hatten Sie sich dich dazu entschlossen, in die Leipziger Unterwelt abzutauchen und diesen Schritt zu wagen?

„Ich habe in den letzten Nächten viel über meine Zeit im Gefängnis zu DDR-Zeiten nachgedacht. Dadurch konnte ich mich wieder in die Denkweise der Diebe hineinversetzen. Es ist eine eigene Welt und diese Welt hat ihre eigenen Gesetze. Ich war damals einer von ihnen, weil ich genauso hinter Gittern saß. Wir waren ausgestoßen und verfolgt immer auf der Hut vor dem Gesetz. Um Erfolg in meinen Recherchen zu haben, musste ich so sein wie sie. Wen ich Kontakt zu dem kriminellen Netzwerk aufbauen wollte musste ich einer von ihnen werden. Es würde bedeuten, ich müsste Straftaten verüben, aber das wollte ich ja bestimmt nicht. So ist nur das Betteln geblieben.“

Sie haben zuvor bei Facebook auf den Einbruch in dein Auto aufmerksam gemacht. Wie waren hier die Reaktionen?

„Viele Tausend Menschen haben mir dabei geholfen. Ich denke aber, ich werde eine Daten nicht zurückbekommen. Von der Polizei habe ich auch keine positiven Nachrichten erhalten.“

Inzwischen hat Bernd Erdmann einen Finderlohn für seinen gestohlenen Computer mit seinen Firmenkontakten ausgelobt. Er liegt bei 2300 Euro. Bei der Summe unterstützen auch andere Unternehmen den Weischlitzer. (mar, fotos: b.erdmann)

So bereitete sich Bernd Erdmann auf seine Herausforderung vor

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