Ehrenpreis für die Stadt Plauen

Würdigung der Zivilcourage

Für ihre anerkannte Vorreiterrolle in der Friedlichen Revolution 1989 hat die Stadt Plauen in Bonn den Ehrenpreis des “einheitspreis 2011 – Bürgerpreis zur Deutschen Einheit” erhalten. Mit dem Sonderpreis würdigen die Juroren die Zivilcourage der Plauener Bevölkerung, die sich am 7. Oktober 1989, dem Nationalfeiertag der DDR, von Stasi, Volkspolizei und Wasserwerfern nicht daran hindern ließ, für ein Ende der SED-Diktatur zu demonstrieren.

Obwohl in Plauen die erste Massendemonstration stattfand, vor der die Staatsmacht kapitulieren musste, standen in der öffentlichen Wahrnehmung die Plauener im Schatten von Leipzig und Berlin, aber sie markierten den Wende-Punkt im dramatischen Revolutionsherbst des Jahres 1989. „Ich freue mich sehr, dass mit diesem Preis der Mut der Plauener und Vogtländer, die maßgeblich zur Wende im Osten Deutschlands und somit zur Wiedervereinigung beigetragen haben, gewürdigt wird “, sagt Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer. Dem pflichtet auch der damalige Superintendent Thomas Küttler bei.

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Er war es, der am 7. Oktober 1989, zur ersten, spontanen Samstagsdemo in Plauen, die Massen mit einem Megaphon zum Gewaltverzicht aufrief. Er verhandelte mit der Staatsmacht und erreichte, dass diese auf weitere Gewaltanwendung gegen die Demonstranten verzichtete und zu Gesprächen bereit war, ein Meilenstein auf dem Weg zur Demokratie im Osten Deutschlands: Später leitete Thomas Küttler den runden Tisch in Plauen und wurde 1990 aufgrund seiner Rolle im Wende-Herbst in Plauen zum Ehrenbürger der Stadt ernannt.: „Wir müssen im Gedächtnis bewahren, was damals geschah, Erinnerung ist nötig. Vor allem für die junge Generation; für die, die damals Kinder oder noch gar nicht geboren waren“, so Thomas Küttler, der den Preis Anfang Oktober in Bonn gemeinsam mit dem Plauener OB in Empfang nahm.

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Entschieden wurde über die Preisträger innerhalb einer Jury-Sitzung am 8. September. Den Jury-Vorsitz hat dieses Jahr Dr. h.c. Joachim Gauck, Vorsitzender des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.“ Bei den anderen Mitgliedern der Jury handelt es sich um Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Gesellschaft. Sie stehen mit ihrer Lebensgeschichte, ihrem Engagement und öffentlichem Wirken für die gewachsene Einheit Deutschlands und Europas. Schirmherrin 2011 ist die nordrheinwestfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Insgesamt waren seit März dieses Jahres fast 270 Bewerbungen und Nominierungen eingegangen, acht Preisträger wurden ermittelt.

Hintergrund

Mit dem „einheitspreis – Bürgerpreis zur Deutschen Einheit“ ehrt die Bundeszentrale für politische Bildung seit 2002 Bürgerinnen und Bürger, die sich zukunftsorientiert für das Zusammenwachsen von Ost und West engagieren. Mehr als 60 Personen und Projekte erhielten bisher den einheitspreis der bpb. Der Preis ist mit insgesamt 15.000 Euro dotiert und wird traditionell im Rahmen der zentralen Feiern zum Tag der Deutschen Einheit vergeben, in diesem Jahr zum zehnten Mal. Die Entscheidung über die Preisträgerinnen und Preisträger trifft eine unabhängige Jury.

2011-10-12

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