Das Theater am Scheideweg?

Kolumne

Das Vogtlandtheater steht schon immer im Fokus vieler Kulturinteressierter. Nicht nur den Leistungen der Schauspieler, Tänzer und Musiker wird eine große Aufmerksamkeit geschenkt. Es dreht sich oftmals auch darum, wohin die „größte kulturelle Einrichtung der Region“, wie sie der Plauener Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer vor kurzem mit Nachdruck bezeichnete, steuert.

 

Mit der Benennung von Roland May zum Intendanten durch die so genannte „Intendantenfindungskommission“ startete eine ausgebreitete Debatte um dessen Personalpolitik. Noch während seiner Tätigkeit am Gerhart-Hauptmann-Theater in Zittau begann der gelernte Schauspieler die Personalplanungen für die neue Spielzeit in Plauen und Zwickau. Zahlreiche Verträge von vielgedienten Akteuren wurden nicht verlängert und das brachte so manchen Theaterfreund auf die Palme. Es war alles andere als ein optimaler Start für das Gespann Roland May und Volker Arnold, der als neuer Geschäftsführer für das Finanzielle die Zuständigkeit inne hat.

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Doch trotz aller Kritik trafen viele der in der laufenden Spielzeit aufgeführten Stücke den Nerv des Publikums. Stehende Ovationen begleiteten die Künstler bei den zahlreichen gelungenen Premieren. Allerdings schwebt das finanzielle Damoklesschwert über den Spielstätten. Schauspieler, die keine Anstellung bei einem anderen Theater innerhalb einer Frist von drei Monaten bekamen, haben einen Anspruch auf eine Abfindung. Auf Anweisung des Aufsichtsrats im vergangenen Dezember sollten die Zahlungen unverzüglich erfolgen. Doch May und Arnold suchten die Konfrontation mit Aufsichtsratschef Jens Heinzig. Sie weigerten sich ohne Vorlage von getätigten Bewerbungen innerhalb der besagten drei Monate, die Zahlungen zu leisten. Schlussendlich stimmten sie aber der Überweisung von rund 130.000 Euro Abfindung für 13 ehemalige Ensemblemitglieder zu.

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Die Bewältigung eines weitaus größeren Problems steht der Theaterleitung noch bevor. Das sächsische Ministerium für Wissenschaft und Kunst verlangte bereits vor einigen Monaten ein neues Struktur- beziehungsweise Sparkonzept. Ein 3,1 Millionen Euro großes Finanzloch klafft und muss geschlossen werden. Die Stadträte von Plauen und Zwickau stimmten im vergangenen Herbst einem vorgeschlagenen Szenario, das ab 2011 beginnen soll, zu. Demnach werden 32 Planstellen gestrichen, was Einsparungen in Höhe von 1,8 Millionen Euro bedeuten würde. Hierzu muss ein neuer Haustarifvertrag ausgehandelt werden. Eine Spartenschließung lehnten die Räte vorerst ab. Der Haustarif ermöglicht die Abweichungen vom üblichen Bühnentarif. Doch dazu bedarf es einer Vereinbarung mit den Gewerkschaften der Künstler. Die vier Vertretungen, darunter ver.di, kündigten derweil harte Verhandlungen an. Sie wollen keinem Haustarifvertrag in Verbindungen mit den geplanten Kündigungen zustimmen. Die Theaterleitung steht somit in diesem Jahr vor einer richtungsweisenden Entscheidung. Denn ohne Haustarifvertrag, welcher Einsparungen von 1,2 Millionen Euro brächte, ist das Konzept am Scheitern. Es drohen weitere Entlassungen und darunter leidet schlussendlich das künstlerische Niveau.

 

Die Sparmaßnahmen wären allerdings ohnehin nur ein kurzfristiger Rettungsanker. Die beiden Kreisstädte Plauen und Zwickau sehen die Lösung des Problems in einer Gesellschafterbeteiligung der Landkreise Vogtland und Zwickau. Doch diese lehnten das auf der letzten Sitzung des Kulturkonvents, auf Nachfragen von den Oberbürgermeistern Pia Findeis und Ralf Oberdorfer, ab. Mit einem Einstieg in die Theatergesellschaft würden die Kreise am finanziellen Risiko beteiligt. Der vogtländische Landrat Tassilo Lenk fordert dazu längerfristige Aussagen zur Struktur und den Ausgaben des Theaters. Er führt zugleich das Argument der fehlenden Einnahmen des Kreises ab dem kommenden Jahr ins Feld. Trotzdem sei die Diskussion noch nicht abgeschlossen und das Thema nicht vom Tisch.

 

2010-02-03

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