Chronologie des Großbrandes im Vogtland: Wie sich die Lage im Waldgebiet bei Plauen zuspitzte und entspannte
Nach Großbrand bei Meßbach: Nachlöscharbeiten und Sperrung im „Schwarzen Holz“
Im Waldgebiet „Schwarzes Holz“ bei Meßbach vor Plauen haben die Einsatzkräfte innerhalb weniger Tage einen schweren Waldbrand unter Kontrolle gebracht. Vom ersten Alarm am Dienstagabend bis zu den nun laufenden Nachlöscharbeiten am Boden war das Gebiet durchgehend Schauplatz eines Großeinsatzes – mit Hunderten Kräften, Spezialtechnik und Unterstützung aus mehreren Landkreisen.

Der Dienstagabend und die ersten Tage: Feuer im Schwarzen Holz
Der Waldbrand im „Schwarzen Holz“ begann an einem Dienstagabend und entwickelte sich schnell zu einem Einsatz, der die Kräfte mehrere Tage forderte. Die ersten Feuerwehrleute wurden um 18.18 Uhr alarmiert, bereits früh war klar, dass sich das Feuer in einem sensiblen Bereich ausgebreitet hatte: Das Brandgebiet liegt in einem Trinkwasser-Einzugsgebiet, was den Einsatz von Löschschaum ausschloss und die Brandbekämpfung zusätzlich erschwerte.

Von Beginn an war ein großes Team kontinuierlich im Einsatz. In der Nacht zum Freitag waren rund 130 Kräfte vor Ort, das Feuer hielt die Mannschaften da bereits den vierten Tag in Atem. Immer wieder flammten neue Glutnester auf, die gezielt bekämpft werden mussten. Das Einsatzgebiet blieb über diesen Zeitraum hinweg stabil bei rund sieben Hektar.
Nächte voller Glutnester: Drohnenbilder und harte Handarbeit

In den Nächten stand die Bekämpfung von Glutnestern klar im Mittelpunkt. Das Gebiet wurde durchgehend und engmaschig mit einer Drohne der Johanniter überwacht. Die Wärmebilder zeigten der Einsatzleitung, wo sich erhöhte Temperaturen hielten und wo gezielt nachgelöscht werden musste. Wo die Drohnendaten auffällige Bereiche zeigten, wurden Kreisregner umgesetzt und Löschtrupps konzentriert eingesetzt.
Neben der Technik blieb die körperliche Arbeit am Boden unverzichtbar. Die Einsatzkräfte gruben die Erde um, damit das Löschwasser tief genug eindringen konnte und die im Boden gespeicherte Energie tatsächlich gebunden wurde. In einer der Nächte lösten sich die Einheiten nacheinander ab. Kräfte aus Stöckigt, Kauschwitz und Zwoschwitz waren im Einsatz, um Glutnester aufzuspüren und abzuschlagen. Dieses punktuelle Vorgehen zeigte gerade in den Nachtstunden besondere Wirkung, weil Wärmequellen mit Hilfe der Drohne gut erkennbar waren.
Freitag: Schwere Technik im Einsatz und Dauerbetrieb der Löschmaßnahmen

Am Freitagmorgen wurde die Lage im „Schwarzen Holz“ erneut bewertet und mit Drohnen- und Wärmebildern von oben abgeglichen, weiterhin unterstützt durch die Johanniter-Unfall-Hilfe. Für diesen Tag stand ein klarer Plan fest: Mit handgeführten Rohren und dem Einsatz von Kreisregnern sollten Glutnester, Restablöschungen und aufflammendes Material konsequent bekämpft werden.
„Ein Forstrüttelgerät sowie eine Bodenfräse unterstützen die Arbeiten, sodass kontinuierlich Seitenränder und auch tief brennendes Material wie Baumstümpfe beseitigt und liquidiert werden können.“
Einsatzleiter Patrick Heinritz
Erstmals kam schweres Gerät großflächig zum Einsatz. „Ein Forstrüttelgerät sowie eine Bodenfräse unterstützen die Arbeiten, sodass kontinuierlich Seitenränder und auch tief brennendes Material wie Baumstümpfe beseitigt und liquidiert werden können“, erklärte Patrick Heinritz, Fachgebietsleiter Brandschutz. Die eingesetzte Bodenfräse bearbeitete dabei den unteren Randbereich in Richtung der Ortslage Unterlosa. Feuerwehrkräfte begleiteten diese Arbeiten eng und löschten freigelegte Glutnester unmittelbar ab.

Auch in der folgenden Nacht blieben rund 20 bis 25 Feuerwehrkräfte vor Ort. Das Technische Hilfswerk hielt weiterhin die Wasserversorgung von der Ortslage Unterlosa bis zum Einsatzgebiet aufrecht. Die wirksamen Maßnahmen am Boden liefen ohne Unterbrechung weiter. Ziel war es, die Anzahl der eingesetzten Kräfte sukzessive zu reduzieren, allerdings nur, sofern steigende Temperaturen, Wind oder ein erneutes Auffachen des Feuers keine Planänderung erzwangen.
Stabile Wasserversorgung als Rückgrat des Großeinsatzes

Die Sicherung der Löschwasserversorgung war über alle Tage hinweg ein zentrales Element des Einsatzes. Die Hauptwasserversorgung übernahm das Technische Hilfswerk mit einer leistungsstarken Zuleitung aus Richtung Taltitz. Parallel dazu diente das Gewerbegebiet Oberlosa als zweite Wasserentnahmestelle. Von dort transportierten Tanklöschfahrzeuge im Pendelverkehr Löschwasser aus bereitgestellten Großbehältern an die Einsatzstelle im Wald.
Die maximal zulässige Entnahmemenge wurde in direkter Abstimmung mit dem Zweckverband Wasser/Abwasser Vogtland am Schieber so eingestellt, dass die Stabilität des öffentlichen Wassernetzes jederzeit gewährleistet blieb. Die Einsatzleitung bat eindringlich darum, die Kräfte an den Wasserentnahmestellen ungestört arbeiten zu lassen, um den bisherigen Löscherfolg nicht zu gefährden.
Weil sich das Gebiet im Trinkwasser-Einzugsbereich befindet, konnte kein Schaum eingesetzt werden. Die Brandbekämpfung stützte sich deshalb konsequent auf Wasser, mechanische Bodenbearbeitung und den großflächigen Einsatz von Kreisregnern, die dauerhaft in Betrieb blieben und die betroffenen Flächen stetig befeuchteten.
Samstag: Kräfte reduziert, Nachlöscharbeiten im Vordergrund

Am Samstag zeichnete sich die Lageentwicklung vorsichtig positiv ab. Wie die Einsatzleitung am frühen Morgen mitteilte, verläuft die Brandbekämpfung im „Schwarzen Holz“ weiterhin erfolgreich. Die Gesamtausdehnung des Brandgebiets blieb unverändert bei rund sieben Hektar, die Anzahl der Einsatzkräfte vor Ort konnte planmäßig reduziert werden.
Insgesamt waren an diesem Tag rund 120 Personen eingebunden, davon etwa 30 Feuerwehrkräfte im Wald, rund 60 Kräfte des THW sowie weitere Kräfte im Lagezentrum zusammen mit Polizei und Rettungszweckverband. Der Schwerpunkt der Arbeiten lag nun auf der Punktbekämpfung verbliebener Glutnester und auf Restlöscharbeiten. Besonderes Augenmerk galt einem angrenzenden Bestandsgebiet mit zahlreichen Neuanpflanzungen. Dort musste ein Übergreifen oder Neuaufflammen im jungen Baumbestand sicher verhindert werden.

Die Johanniter setzten auch an diesem Tag ihre Drohne ein, um das Gelände nach heißen Stellen und verdeckten Wärmequellen abzusuchen. Auf Grundlage dieser Daten konnten die Einsatzkräfte am Boden gezielt und effizient löschen. Das vom Waldbesitzer bereitgestellte schwere Forstgerät kam erneut zum Einsatz, um Zugänge zu schaffen und Schneisen zu beräumen. Die aufgestellten Kreisregner blieben im Dauerbetrieb und trugen weiter zur Befeuchtung der betroffenen Flächen bei.
Im Verlauf des Samstagnachmittags und der Nacht gab es im Einsatzgebiet nur noch wenige nennenswerte Feststellungen. Die Entwicklungen bestätigten, dass die zuvor eingeleiteten Maßnahmen wirkten.
Sonntag: Positive Zwischenbilanz und Verlagerung auf die Bodenarbeit

Am Sonntagmorgen zog die Stadt Plauen ein positives, wenn auch weiterhin vorsichtiges Zwischenfazit nach intensiven Tagen der Brandbekämpfung. Seit dem Ausbruch des Feuers hatten die Einsatzkräfte unermüdlich gegen Glutnester im rund sieben Hektar großen „Schwarzen Holz“ gearbeitet, um die Fläche vollständig brandfrei zu bekommen. Die intensive Zusammenarbeit aller beteiligten Einheiten führte dazu, dass sich die Lage mittlerweile maßgeblich entspannt hat.
„Dass wir heute diesen Stand erreichen konnten, ist das Ergebnis eines extrem professionellen Einsatzes aller Beteiligten.“
Einsatzleiter Patrick Heinritz
Ein sichtbares Zeichen dieser Entspannung war eine organisatorische Anpassung: Die operative Einsatzleitung wurde bereits am Samstagabend in die Feuerwache verlegt. Für die laufenden Arbeiten wird inzwischen deutlich weniger Löschwasser benötigt, weshalb das THW die stabile Wasserleitung zum Teich in Taltitz abbauen konnte. Als Sicherheitsreserve blieb vor Ort ein Behältnis mit einem Fassungsvermögen von 21.000 Litern, das bei Bedarf ebenso wie der eingerichtete Pendelverkehr zum Behälter im Bereich Oberlosa kurzfristig wieder aktiviert werden kann.

Die Einsatzkräfte wurden für die Nachtschicht planmäßig ausgetauscht. Über die Nachtstunden hinweg wurden mit Drohnenunterstützung gezielt vereinzelte Glutnester lokalisiert und abgelöscht. Parallel setzte der Waldbesitzer seine Aufräumarbeiten mit schweren Forstmaschinen fort. „Dass wir heute diesen Stand erreichen konnten, ist das Ergebnis eines extrem professionellen Einsatzes aller Beteiligten“, betonte Einsatzleiter Patrick Heinritz. Der Fokus liegt nun auf der weiteren Nachsorge, die Lage bleibt unter Beobachtung, um ein erneutes Aufflammen auszuschließen. Heinritz ergänzte: „Das Wetter sollte uns heute in die Karten spielen. Seit den Morgenstunden regnet es, was die Lage weiter entspannt. Und: die nächtlichen Kontrollgänge und Drohnenflüge haben bestätigt: Es wurden keine neuen Brandherde entdeckt, die Einsatzkräfte konnten die Nachlöschmaßnahmen erfolgreich fortsetzen.“
Mit dem Fortschritt der Löscharbeiten verlagert sich der Schwerpunkt nun vollständig auf die Bodenbrandbekämpfung. Die zuvor intensiv genutzte Drohne wird allmählich aus dem Einsatz gezogen, die Suche nach verbliebenen Hitzespots erfolgt nun vor allem am Boden. Mit Haken, Schaufeln und Löschrucksäcken werden tief liegende Glutnester im Unterholz freigelegt und gezielt abgelöscht.
Allgemeinverfügung des Vogtlandkreises: Schwarzes Holz bleibt gesperrt

Parallel zur operativen Brandbekämpfung hat der Vogtlandkreis als Untere Forstpolizeibehörde eine Allgemeinverfügung für das Waldgebiet „Schwarzes Holz“ bei Plauen erlassen. Aufgrund der anhaltend hohen Waldbrandgefahr wurde das Betreten und Befahren des gekennzeichneten Gebietes mit sofortiger Wirkung bis auf Widerruf untersagt. Das Verbot umfasst sämtliche Wald- und Waldnebenflächen im Sinne des Sächsischen Waldgesetzes, einschließlich Waldwegen, Rückegassen und weiterer Flächen innerhalb des gekennzeichneten Gefahrenbereiches.
Von dem Verbot ausgenommen sind nur die Einsatzkräfte der Feuerwehr, die Polizei, der Rettungsdienst, der Katastrophenschutz, die Forstbehörden sowie weitere Personen, die von den zuständigen Behörden mit Einsatz-, Kontroll-, Sicherungs- oder Aufräumarbeiten beauftragt wurden. Die entsprechende Allgemeinverfügung ist auf der Webseite des Vogtlandkreises hier veröffentlicht.
Gleichzeitig verstärkte der Landkreis seine Unterstützung bei der Bekämpfung des Großbrandes. Aus dem Landkreis Bautzen wurden insgesamt 44 Kreisregner zur Verfügung gestellt, die über Feuerwehrschläuche mit Wasser versorgt werden und eine kontinuierliche Bewässerung größerer Flächen ermöglichen. Sie tragen dazu bei, bereits abgelöschte Bereiche feucht zu halten und ein erneutes Aufflammen zu verhindern. Der Erzgebirgskreis unterstützt mit zusätzlichem Handwerkszeug zur Bodenbearbeitung, darunter Löschrucksäcke und Wiedehopfhacken, um Glutnester besser zu erreichen und die weitere Bodenbearbeitung im Brandgebiet zu erleichtern.

Bereits seit Mittwoch sind mehr als 40 Einsatzkräfte aus dem Katastrophenschutz des Vogtlandkreises in die Brandbekämpfung eingebunden. Darüber hinaus erfolgte Unterstützung durch den Freistaat Sachsen aus der Luft. Die über die Warn-App NINA veröffentlichte Warnung vor Rauchbelästigung konnte inzwischen aufgehoben werden.
Blick auf die bisherige Berichterstattung
Spitzenstadt.de begleitet den Großbrand im „Schwarzen Holz“ seit den ersten Stunden mit laufenden Meldungen. Bereits früh standen der Umfang des Brandes, der große Kräfteansatz und die besondere Lage im Trinkwasser-Schutzgebiet im Mittelpunkt der Berichterstattung. Die aktuelle Chronologie mit den Nachlöscharbeiten, der Verlagerung auf die Bodenbrandbekämpfung und der weiterhin geltenden Sperrung des „Schwarzen Holzes“ knüpft an diese Berichte an und zeigt, wie sich der Großeinsatz von der akuten Brandbekämpfung hin zur kontrollierten Nachsorge entwickelt hat.







