Rettungspaket für Plauener Straßenbahn: Vogtlandkreis und Stadt einigen sich und hoffen aufs Land
Stadt- und Kreistag machen Weg für Straßenbahn-Zukunft frei: CDU spricht von fairem Kompromiss
Die Zukunft der Plauener Straßenbahn nimmt Gestalt an. Nach monatelangen Debatten hat sich der Vogtlandkreis mit der Stadt Plauen auf ein Maßnahmenpaket zur Stabilisierung des Nahverkehrs geeinigt. Die CDU-Fraktion im Kreistag feiert die Lösung als „fairen und tragfähigen Kompromiss“ und betont: Die Interessen des gesamten Vogtlandes seien mit im Blick.

Langer Streit, jetzt ein Kompromiss
In einer Pressemitteilung begrüßt die CDU-Kreistagsfraktion offiziell die Einigung zur Plauener Straßenbahn. Das Paket, auf das sich Stadt, Vogtlandkreis, der Zweckverband ÖPNV Vogtland und der Freistaat Sachsen verständigt haben, soll die finanzielle Schieflage der „Bimm“ abfedern und den Betrieb langfristig sichern.
Fraktionschef Tobias Kämpf erinnert daran, dass für seine Fraktion zwei Punkte immer zusammengehörten: Die Straßenbahn müsse erhalten bleiben, aber nicht um den Preis, dass der Rest des Vogtlandes die Rechnung alleine trägt. Deshalb habe man „von Beginn an für einen ausgewogenen Ansatz geworben“, der alle Ebenen – Stadt, Kreis, Zweckverband und Freistaat – anteilig in die Verantwortung nimmt.
Kämpf wird in der Erklärung so zitiert:
„Wir haben uns von Anfang an für eine Lösung eingesetzt, die den Nahverkehr in Plauen sichert und gleichzeitig gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern im gesamten Vogtland verantwortbar ist. Mit dem nun gefundenen Kompromiss ist genau das gelungen.“
Dank an Landrat, Oberbürgermeister und Kreisräte aus dem ganzen Vogtland
Deutlich fällt der Dank der CDU in Richtung Landrat Thomas Hennig und Plauens Oberbürgermeister Steffen Zenner aus. Beide hätten „in den vergangenen Monaten konstruktiv an einer Lösung gearbeitet“. Die Debatten seien teils kontrovers gewesen, heißt es – am Ende hätten aber „Sachlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft zum Kompromiss“ den Ausschlag gegeben.
Kämpf wird dazu mit den Worten zitiert:
„Die Diskussionen waren teilweise kontrovers. Umso wichtiger ist es, dass am Ende Sachlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft zum Kompromiss den Ausschlag gegeben haben. Dafür gilt allen Beteiligten unser Dank.“
Besonders hebt die CDU-Fraktion jene Kreisräte hervor, die nicht direkt aus Plauen kommen und trotzdem mitgezogen haben. Viele hätten „über kommunale Grenzen hinaus Verantwortung übernommen“. Für die Christdemokraten ist das ein Signal, dass der Zusammenhalt im Vogtland auch in schwierigen Situationen trägt:
„Gerade in schwierigen Situationen ist es entscheidend, dass wir nicht gegeneinander arbeiten, sondern gemeinsam nach Lösungen suchen.“
Mehr als Verkehrspolitik: Signal für das Miteinander von Stadt und Landkreis
In der Pressemitteilung wird die Einigung zur Straßenbahn ausdrücklich nicht nur als technische ÖPNV-Entscheidung beschrieben. Für die CDU ist sie auch ein Testfall für das Verhältnis zwischen Stadt Plauen und Vogtlandkreis.
„Das Vogtland ist stark, wenn wir gemeinsam handeln“, betont Kämpf. Die gefundene Lösung stärke den Zusammenhalt in der Region und zeige, „dass wir auch komplexe Herausforderungen partnerschaftlich bewältigen können“.
Zwischen den Zeilen wird klar: Nach Jahren angespannter Debatten um Zuständigkeiten, Geldflüsse und den Verlust der Kreisfreiheit soll die Straßenbahn-Einigung ein Beispiel dafür sein, dass Stadt und Kreis auch anders können – nämlich gemeinsam.
Bürgerdruck im Hintergrund und offene Erwartungen an den Freistaat
Dass es überhaupt zu einem Kompromiss gekommen ist, liegt nicht nur an Verhandlungen in Sitzungszimmern. In den vergangenen Monaten hatten Straßenbahner und Unterstützer mit der Petition „Rettet die Plauener Straßenbahn – ein Stück Heimat bewahren“ zehntausende Unterschriften gesammelt und Stadt wie Kreis sichtbar unter Druck gesetzt.
Die CDU-Fraktion geht darauf in ihrer Mitteilung nicht im Detail ein, macht aber deutlich, dass man den öffentlichen Erwartungsdruck kennt: Die Lösung solle sowohl „den Nahverkehr in Plauen sichern“ als auch gegenüber den Steuerzahlern im gesamten Landkreis „verantwortbar“ bleiben.
Gleichzeitig bleibt klar: Ganz ohne den Freistaat Sachsen wird die Rechnung nicht aufgehen. Die Christdemokraten im Kreistag betonen deshalb, dass auch der Freistaat seinen Anteil übernehmen müsse und kündigen an, die Umsetzung des Maßnahmenpakets „konstruktiv zu begleiten“.
Was sich jetzt ändert und warum Dresden zur Schlüsselfrage wird
Mit dem einstimmigen Beschluss des Plauener Stadtrates ist der Weg für die Sanierung des Nahverkehrsbetriebs grundsätzlich frei. Kern des Pakets: Die Stadtverkehrs-Buslinie A sowie die Nachtbuslinien gehen künftig an den landkreiseigenen Plauener Omnibusbetrieb (POB) über, während alle Straßenbahnlinien weiterhin von der Plauener Straßenbahn-Gesellschaft (PSB) betrieben werden. Damit wird die PSB von einem Teil der Buskosten entlastet und kann sich stärker auf den Schienenverkehr konzentrieren. Der Stadtratsbeschluss war nötig, um die zuvor zwischen Landrat und Oberbürgermeister ausgehandelte Vereinbarung zu autorisieren, der Kreistag hatte bereits zugestimmt.

Am grundsätzlichen Problem ändert das aber erst einmal nichts: Die PSB steckt wegen explodierender Personal- und Energiekosten in einer tiefen Schieflage, im kommenden Jahr drohte ohne Eingreifen die Insolvenz. Nach den Vorstellungen von Stadt und Vogtlandkreis soll dieses Loch künftig zu dritt gestopft werden, mit jeweils etwa 1,5 Millionen Euro pro Jahr von Plauen, Vogtlandkreis und Freistaat Sachsen, und das über einen Zeitraum von zehn Jahren.
Genau hier klafft jedoch noch eine entscheidende Lücke: Aus Dresden gibt es bislang keine verbindliche Zusage. Während Kreistag und Stadtrat ihre Hausaufgaben gemacht haben, bleibt offen, ob der Freistaat seinen Anteil tatsächlich dauerhaft übernimmt. Oberbürgermeister Steffen Zenner hat angekündigt, noch vor der Sommerpause weitere Gespräche zur Rettung der PSB in Dresden zu führen – ob die Straßenbahn-Finanzierung wirklich auf drei stabilen Schultern steht, entscheidet sich also nicht in Plauen, sondern maßgeblich im Landtag und in den Ministerien.
Umsetzung wird zum Härtetest
Mit dem Beschluss ist politisch ein wichtiger Knoten durchschlagen, auf Plauens Schienen kehrt aber erst dann wirklich Ruhe ein, wenn das Maßnahmenpaket im Alltag trägt und das Land mit im Boot sitzt. Die CDU-Kreistagsfraktion kündigt an, sich weiter „für einen leistungsfähigen, wirtschaftlich tragfähigen und zukunftsfesten öffentlichen Nahverkehr im Vogtland“ einsetzen zu wollen.
Für viele Plauenerinnen und Plauener zählt vor allem eines: Dass ihre „Bimm“ auch in ein paar Jahren noch durch die Stadt fährt und der jetzt gefeierte Kompromiss nicht nur auf dem Papier, sondern auch im Alltag hält, was die Politik verspricht.
Warum die Plauener Straßenbahn finanziell in Schieflage geriet
Die „Bimm“ steckt nicht wegen eines einzigen Fehlers in der Krise, sondern wegen einer Mischung aus hohen Fixkosten, fehlender Gegenfinanzierung und verschobenen Investitionen. Plauen ist eine vergleichsweise kleine Stadt, betreibt aber ein komplettes Straßenbahnsystem mit Gleisen, Fahrleitungen, Weichen, Betriebshof und eigenem Personal. Diese Infrastruktur kostet fast genauso viel, egal ob die Bahnen voll oder halb leer sind – Einnahmen aus Fahrscheinen können diese Fixkosten allein nicht annähernd decken.
In den vergangenen Jahren kamen mehrere Belastungen zusammen: steigende Energie‑, Personal- und Instandhaltungskosten, ein dauerhaft zu niedrig angesetzter Zuschussbedarf durch Stadt und Zweckverband ÖPNV Vogtland und Investitionen, die immer wieder nach hinten geschoben wurden. 2024 fuhr die Plauener Straßenbahn ein Minus von rund 3,1 Millionen Euro ein, für 2025 werden über 4 Millionen Euro Defizit erwartet, in den Folgejahren ist von 4 bis 5 Millionen Euro pro Jahr die Rede. Die Stadtverwaltung hatte bereits gewarnt, dass Plauen ab 2026 Straßenbahn, Bad und Theater aus eigener Kraft nicht mehr finanzieren könne – ohne zusätzliche Hilfe von Vogtlandkreis und Freistaat drohte dem Unternehmen spätestens Ende 2026 die Zahlungsunfähigkeit.
Fahrkarten weiter am Tunnel – BSW setzt Bürgerwunsch durch
Rund um den Zentralhalt „Tunnel“ bleibt der Fahrkartenkauf auch künftig möglich. Auf Antrag der BSW-Fraktion hat Oberbürgermeister Steffen Zenner zugesagt, dass es im direkten Umfeld des bisherigen Service-Points weiter eine Möglichkeit geben soll, Tickets zu kaufen – auch mit Bargeld.
BSW-Stadtrat Lars Legath betont, damit werde ein klarer Wunsch der Bevölkerung umgesetzt: Wer am Tunnel einsteigt, müsse nicht erst den rund 20‑minütigen Umweg über den Oberen Bahnhof in Kauf nehmen, um an einen Fahrschein zu kommen. Besonders wichtig sei der Schritt für eine barrierearme Nutzung des Nahverkehrs. Nach einem Vorstoß der BSW im Kreistag haben sich laut Fraktion bereits zwei potenzielle Verkaufsstellen gemeldet.
Fraktionschef Maik Schwarz sieht darin einen weiteren Mosaikstein auf dem Weg: Gemeinsam mit dem beschlossenen Maßnahmenplan sei das ein „wichtiger Schritt zum Erhalt der Straßenbahn in unserer Spitzenstadt“.








