Haushalte mit Hund, Katze oder Kleintier haben sich in den Großstädten in den vergangenen Jahren spürbar gewandelt. Biologisches Futter, tierärztliche Osteopathie, CBD-Tropfen, Kräuterpräparate sind kein Nischenthema mehr, sondern Teil des Umdenkens hin zu alternativen Gesichtspunkten beim Thema Tiergesundheit. Der Markt für die Haustier Nahrungsergänzungsmittel wächst und soll bis 2030 weltweit auf über 1,3 Milliarden Dollar zunehmen, bei einer jährlichen Wachstumsrate von etwa sechs Prozent.

Adaptogene und Vitalpilze: Was ist dran an dem Hype?
Zu den am häufigsten diskutierten Wirkstoffklassen gehören die sogenannten Adaptogene. Dabei handelt es sich um Pflanzen- oder Pilzextrakte, die dem Organismus helfen sollen, auf Stresssituationen regulierend zu reagieren, ohne ihn dabei einseitig zu stimulieren oder zu dämpfen. In der Humanmedizin wurden Adaptogene wie zum Beispiel Ashwagandha, Rhodiola rosea oder Ginseng in zahlreichen Studien erforscht.
In der Tiergesundheit richtet sich das Interesse zunehmend auf die Heilpilze. Vitalpilze für Tiere wie Reishi (Ganoderma lucidum), Chaga (Inonotus obliquus) und Shiitake (Lentinula edodes) enthalten zahlreiche Inhaltsstoffe, darunter auch Beta-Glucane und komplexe Polysaccharide, die in der Forschung auf ihre immunmodulatorische Wirkung untersucht werden. Beta-Glucane binden an spezifische Rezeptoren auf den Makrophagen und den natürlichen Killerzellen und können so die körpereigene Abwehrreaktion modulieren, ohne sie dabei gleich überreizen zu lassen. Erste veterinärmedizinische Studien, wie z. B. zur Anwendung bei Hunden mit Mammakarzinom zeigen interessante Ansätze. Belastbare Langzeitdaten müssen aber noch angelegt werden.
Warum Stadtbewohner besonders aufgeschlossen sind
Das Thema trifft vor allem in urbanen Milieus auf fruchtbaren Boden. Haustiere gelten hier oft als vollwertige Familienmitglieder, weshalb die Bereitschaft steigt, auch in deren Gesundheit zu investieren. Themen wie Prävention und ganzheitliche Medizin sind im urbanen Gesundheitsdiskurs fest verankert. Stadtluft, Bewegungsmangel und chronischer Lärm gelten jedoch auch für Haustiere als Stressfaktoren. Katzen ohne Außenreize, Hunde, die nie frei laufen können, oder Kleintiere in beengten Wohnungen verhalten sich oft auffällig und zeigen schwächere Immunreaktionen. Pflanzliche Ergänzungsmittel werden hier nicht als Ersatz für eine tierärztliche Behandlung angesehen, sondern als wichtiges Element eines präventiven Gesundheitsmanagements.
Was bei der Auswahl pflanzlicher Präparate wichtig ist
Nicht alles, was mit „natürlich“ oder „pflanzlich“ wirbt, hält auch, was es verspricht. Die folgenden Kriterien sind für Tierhalter, die sich mit pflanzlichen Ergänzungsmitteln beschäftigen, von Bedeutung:
- Extraktqualität: Viele Vitalpilzprodukte werden aus dem Fruchtkörper gewonnen, andere aus dem Myzel. Der Gehalt an wirksamen Beta-Glucanen ist unterschiedlich. Fruchtkörperextrakte gelten in der Fachliteratur als gehaltreicher.
- Tierart und Verträglichkeit: Bei der Auswahl sind auch Dosierungen wichtig, die bei Hund, Katze, Pferd oder Nagetier sehr unterschiedlich sein können. Was für den Hund gut ist, kann für die Katze problematisch sein. Katzen metabolisieren bestimmte pflanzliche Verbindungen, etwa Polyphenole, viel schlechter als andere Tierarten.
- Herstellertransparenz: Zertifizierungen nach Bio-Standards, Angaben zur Herkunft und zur Extraktionsmethode, unabhängige Laboranalysen sind verlässliche Indikatoren für Produktqualität. Fehlen diese Informationen, bleibt die Bewertung eines Präparats zweifelhaft.
Tierärzte mit naturheilkundlicher Ausbildung empfehlen es in der Regel, neue Präparate langsam einzuführen und die Reaktionen des Tieres genau zu beobachten. Eine pauschale Empfehlung unabhängig vom konkreten Gesundheitszustand des Tieres ist, gleichgültig um welches Präparat es sich handelt, wenig zielführend.








