Spitzen-Trio über Plauen: Wie Designerin, Fotograf und Make-up-Artistin die Dachkante zur Bühne machen
Zwischen Dachkante und Couture
In 20 Metern Höhe, in der blauen Stunde: Über der Plauener Elsteraue wird ein Dach zur Bühne, eine alte Leuchtreklame zum Blickfang. Designerin Steffi Ehrhardt, Starfotograf Chris Gonz und Make-up-Artistin Beatrice Kober inszenieren Plauener Spitze dort, wo die Stadt jahrzehntelang nur nach oben geschaut hat – zum Schriftzug „Plauener Spitze bekannt auf dem Weltmarkt“.
Die Idee ist so simpel wie spektakulär. Steffi Ehrhardt, Designerin und Kopf hinter dem Label SE‑Spitzenkleid, blickt monatelang von ihrer Couch aus auf das Dach mit der Leuchtreklame. Gesundheitsbedingt muss sie kürzertreten, aber im Kopf arbeitet es weiter. Aus dieser Perspektive wächst eine Vision: „Plauener Spitze: Zwischen Dachkante und Couture.“
Genau dort, unter dem Schriftzug aus den 1970er‑Jahren, sollen ihre Kleider hin. An die Kante, dahin, wo Plauener Industriegeschichte und modische Gegenwart aufeinandertreffen.
Ihr Atelier ist auf individuelle Einzelanfertigungen ausgerichtet. Normalerweise verschwindet jedes Kleid nach Kundenwunsch direkt wieder im Leben seiner Trägerin. Präsentationsmodelle sind selten. Doch durch frühere Projekte mit der Schaustickerei und der „Fabrik der Fäden“ hat Ehrhardt mehrere Stücke für Ausstellungen aufgebaut. Sie stattet 2026 die Spitzen-Modenschau zur Spitzenfestgala aus, plant drei Durchläufe mit jeweils sechs Modellen. Auf dem Dach entstehen jetzt die Bilder, die Lust machen sollen auf genau diese Kollektionen.
Die Bühne: Ein Dach, das Stadtgeschichte atmet

Das Setting könnte symbolischer kaum sein. Das ehemalige Bürogebäude des VEB Plauener Spitze, die ikonische LED-Leuchtreklame „Plauener Spitze bekannt auf dem Weltmarkt“, nur einen Steinwurf von der neuen „Fabrik der Fäden“ entfernt.
„Es freut mich, dass die Früchte meiner Arbeit jetzt so wunderbar präsentiert werden. Es sind meine Kleider, aber die Präsentation ist Teamwork.“
Steffi Ehrhardt, Dipl.-Modedesignerin
Hier, in der blauen Stunde, wenn das Licht flackert und die Stadt unter dem Dach zur Silhouette wird, schmiegen sich die beiden Models Angie Pfreundtner und Stella-Sophia Hirmer in Kleidern aus echter Plauener Spitze an die riesigen Buchstaben. Die Fäden der Vergangenheit laufen in der Gegenwart zusammen: Die Idee der Fäden, die Ehrhardt schon für ein früheres Shooting mit Chris in der „Fabrik der Fäden“ inspiriert hat, steckt auch in den jetzt fotografierten Brautkleidern. Bänder, Schnüre, Stickereien – Tradition trifft Moderne.
Chris Gonz: Weltweit gefragt – zurück auf dem Dach von Plauen
Für die Bilder holt sich Ehrhardt einen Fotografen, der mit Dächern Erfahrung hat: Chris Gonz. Er ist seit 2006 als freier Fotograf unterwegs, wird von Universal Music, Sony Music, internationalen People-Magazinen, Schauspielagenturen und Musikzeitschriften gebucht und ist auf „Blickfang – Deutschlands beste Fotografen“ gelistet. Ob Opernstars auf New Yorker Dächern oder Models auf dem Roof des Berliner Luxushotels Adlon – Gonz kennt die Inszenierung über den Städten.
Jetzt rennt er in seiner Heimat in der blauen Stunde übers Dach, jagt im letzten Restlicht den perfekten Winkel – bis Plauener Spitze, Models und leuchtender Schriftzug zu einem einzigen, dichten Bild verschmelzen.
Die Leidenschaft für Kameras begleitet ihn seit Kindheitstagen: Mit sechs bekommt er seine erste Certo SL110 – das gleiche Baujahr wie er selbst. Aus der frühen Faszination für Technik wird mit den Jahren eine fotografische Signatur, die Nähe und Intimität sucht, jenseits des Mainstreams.
Auf dem Plauener Dach zeigt sich genau das: Keine sterilen Modestills, sondern ein Gefühl für Ort, Geschichte und Menschen. Spitze, die nicht nur dekoriert, sondern erzählt.

Beatrice Kober: Schönheit, die unter die Haut geht
Dass die Bilder nicht nur wegen der Kleider hängen bleiben, liegt an Beatrice Kober. Seit 15 Jahren arbeitet sie als Make-up- und Hair-Artist, ihre „Styling Terrasse“ in Plauen versteht sie nicht einfach als Studio, sondern als Erlebnisraum.
Ihr Ansatz: Eleganz trifft Persönlichkeit. Jeder Look soll nicht nur äußerlich funktionieren, sondern Selbstbewusstsein und Selbstliebe transportieren. „Jede Berührung, jeder Pinselstrich erzählt eine Geschichte“, sagt sie über ihre Arbeit – auf dem Dach von Plauen ist es die Geschichte von zwei Frauen, die zwischen Dachkante und leuchtender Reklame zu Hauptfiguren einer Spitzenstadt-Erzählung werden.
Ob Brautstyling, Workshop, Mädelsabend oder – wie hier – ein Shooting in 20 Metern Höhe: Im Zentrum steht für Kober immer die Persönlichkeit der Frau vor ihr. Genau dieses Prinzip übersetzt sie jetzt in einen Look, der neben knalligen LED-Buchstaben, tiefblauer Stunde und starkem Wind bestehen muss – und auf den Fotos doch ganz mühelos wirkt.
Ein Team, das ohne KI auskommt – und gerade deshalb knallt
Steffi Ehrhardt spricht von einem „Mega Team, von Mensch zu Mensch“, in dem jede und jeder mit Freude und Enthusiasmus für das gemeinsame Ziel dabei war – „alles Spezialisten in ihrem Fach, ohne KI“.
Zum Kerntrio aus Designerin, Fotograf und Make-up-Artistin kommen beim Dach-Shooting noch weitere Profis dazu: Models, Drohnen- und Videomann (Noah Schmeissner), Assistenz, Sicherheitsleute. Aber im Zentrum des Projekts steht dieses Spitzen-Trio, das die Fäden zusammenhält:
- Steffi Ehrhardt, die mit ihrem Label SE-Spitzenkleid seit zehn Jahren exklusive Einzelanfertigungen und Kollektionen wie „Feenstaub – die Verwandlungskünstlerin“ und „Sternenstaub“ entwickelt.
- Chris Gonz, der der Plauener Spitze eine Bildsprache gibt, die sich nicht hinter internationalen Fashionproduktionen verstecken muss.
- Beatrice Kober, die den Looks das entscheidende Strahlen verleiht – und damit genau die Emotion weckt, die Spitze im Alltag oft verloren hat.
Vom Rooftop aufs Spitzenfest 2026

Was auf dem Dach beginnt, endet nicht im Fotobuch. Die Bilder sind Vorbote der Spitzenfestgala 2026, bei der Ehrhardts Modelle die Bühne im Vogtlandtheater erobern sollen.
Drei Durchläufe, jeweils sechs Outfits, Brautkleider mit integrierten Bändern und Schnüren, wandelbare Stickerei-Modelle aus der Kollektion „Feenstaub“, Varianten aus „Sternenstaub“ – und immer im Kern: echte Plauener Spitze, gefertigt von regionalen Betrieben wie Modespitze Plauen, Reuter und Sohn, Stickerei Dotzauer und der Plauener Seidenweberei.
Die Entwicklungszeit für ein Braut- oder Festkleid liegt oft bei ein bis eineinhalb Jahren. Was jetzt in der blauen Stunde auf dem Dach festgehalten wird, ist also das Ergebnis eines langen Prozesses – und der Startschuss für den nächsten: vom Foto im Online-Magazin hin zu einem Spitzenfest, das Tradition und Moderne sichtbarer zusammenführt als je zuvor.
Spitze im Hochglanz – aus Plauen in die Welt
Am Ende sind es nicht nur die Kleider, die hängen bleiben. Es ist das Zusammenspiel: Die Location mit Geschichte, die Designerin mit ihrer sehr persönlichen Verbindung zur Plauener Spitze, der Fotograf mit internationalem Blick, die Make-up-Artistin mit ihrer Mission, Frauen zum Strahlen zu bringen.
Aus all dem entsteht ein Bild, das weit über Plauen hinausweisen soll. Oder, wie Steffi Ehrhardt es formuliert: „Es freut mich, dass die Früchte meiner Arbeit jetzt so wunderbar präsentiert werden. Es sind meine Kleider, aber die Präsentation ist Teamwork.“








