Wo einst die Synagoge stand: Plauen macht eine Leerstelle sichtbar
Am 9. November 2026 erinnert eine Licht-, Video- und Klanginstallation am Originalstandort an die 1938 zerstörte Synagoge
Am 9. November 2026 erinnert Plauen mit einer öffentlichen Licht-, Video- und Klanginstallation an seine Synagoge, die 1938 zerstört wurde. Am Originalstandort wird die Synagoge nachgezeichnet, an den Wänden werden Namen, Stimmen und Bilder jüdischen Lebens in der Stadt sichtbar.

Am 9. November 2026 erinnert Plauen mit einer öffentlichen Licht-, Video- und Klanginstallation an seine Synagoge, die 1938 zerstört wurde. Am Originalstandort wird die Synagoge nachgezeichnet. An den Wänden werden Namen, Stimmen und Bilder jüdischen Lebens in der Stadt sichtbar. Unter dem Motto „Wir erzählen Stadtgeschichte“ rückt das Projekt eine Leerstelle in den Mittelpunkt, die bis heute spürbar ist.
Der 9. November steht für die Novemberpogrome 1938. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde das jüdische Gotteshaus, in dem die Gemeinde zusammenkam, in Brand gesetzt und zerstört. Gerade einmal acht Jahre lagen zwischen seiner Einweihung im Frühjahr 1930 und diesem Tag. Die Installation stellt das Geschehen dieser Nacht nicht nach. Sie fragt vielmehr, was seither in der Stadt fehlt.
Die 1930 eingeweihte Synagoge war ein Bau im Stil der Neuen Sachlichkeit und architektonisch absolut einmalig. Heute ist sie nicht mehr da. Gerade diese Leerstelle erzählt weiter, was jüdisches Leben in Plauen ausmachte und was die Stadt dabei verloren hat. „Die Synagoge ist nicht mehr da. Aber die Leerstelle erzählt weiter.“ Die zentrale Gegenwartsfrage lautet: Was verschwindet aus einer Stadt, wenn Ausgrenzung unwidersprochen bleibt?
Eine Performance zum Hinsehen, Zuhören und Mitdenken
Zum Auftakt um 16:30 Uhr sprechen Plauens Bürgermeister Tobias Kämpf und Pastor Stefan Filter von der Adventgemeinde Plauen, deren Gemeinde heute auf dem Gelände der ehemaligen Synagoge steht.
Die Performance läuft als Schleife, sodass man zu jeder Zeit bis 21 Uhr dazukommen kann. Man erlebt den Alltag einer Stadt mit vielen Stimmen, das allmähliche Sichtbarwerden der Synagoge und die Brüche, die Plauen erfasst haben. Zum Schluss stellt die Installation eine Frage an die Gegenwart.

Klang, Licht und Video verbinden sich zu einem Erlebnis, das man nicht nur sieht, sondern mit nach Hause nimmt. Fachlich begleitet wird das Projekt vom Verein der Freunde und Förderer des Vogtlandmuseum Plauen e.V. Die Expertinnen Waldtraut Schmidt und Liane Kümmerl haben über viele Jahre jüdische Geschichte in Plauen recherchiert und vermittelt.
Ein roter Faden: Dr. Isidor Goldberg
Die Installation folgt dem Lebensweg von Dr. Isidor Goldberg, Rechtsanwalt und langjähriger Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinde zu Plauen. Er setzte sich maßgeblich für den Synagogenneubau ein und warnte früh und öffentlich vor Antisemitismus. Er floh 1933 aus Deutschland nach Frankreich, von wo er 1943 deportiert und in Auschwitz-Birkenau ermordet wurde. Seine Biografie steht für Teilhabe, Gestaltungswillen und Verlust und zeigt, wie eng die Geschichte der Synagoge mit der Stadtgeschichte verwoben ist.
Das Projekt im Themenjahr TACHELES
Das Projekt leistet einen Beitrag zum Themenjahr TACHELES 2026 in Sachsen. Es macht jüdische Geschichte und Kultur als Teil der Stadtgeschichte sichtbar, stärkt die demokratische Erinnerungskultur und eröffnet einen respektvollen Dialog zwischen jüdischen und nicht-jüdischen Menschen. Der Zugang ist niederschwellig: Die Installation ist öffentlich im Stadtraum erlebbar.
Getragen wird die Veranstaltung vom Verein der Freunde und Förderer des Vogtlandmuseum Plauen als Projektträger gemeinsam mit dem in Gründung befindlichen Verein DenkKultur Vogtland. Die Stadt Plauen ist Kooperationspartner des Projekts, vertreten durch Bürgermeister Tobias Kämpf. Mitwirkende sind außerdem mit Clemens Uhlig das Stadtarchiv Plauen, der Vogtländische Israelverein und das Vogtlandmuseum Plauen. Gefördert wird die Installation durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.
Eckdaten
Titel: Tacheles: Die Leerstelle – Jüdisches Jahr im Vogtland – Plauen erinnert
Datum: Montag, 9. November 2026
Zeit: 16:30 bis 21:00 Uhr, Auftakt mit Grußworten um 16:30 Uhr
Ort: Engelstraße 15, 08523 Plauen (Originalstandort der Synagoge)






