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  • Montag, 13 April 2026, 18:03 Uhr | Lesezeit ca. 4 Min.

Wie es mit der Plauener Straßenbahn weitergehen soll

Stadt und Landkreis legen gemeinsames Modell zur Zukunft von Straßenbahn und Bus vor

Ein abgestimmtes Konzept von Stadt und Landkreis soll den öffentlichen Nahverkehr in Plauen langfristig sichern. Grundlage ist ein Auftrag des vogtländischen Kreistages, gemeinsam eine tragfähige Lösung zu entwickeln.

Landrat Thomas Hennig und Plauens Oberbürgermeister Steffen Zenner bei der Vorstellung der Zukunftskonzeptes für die Plauener Straßenbahn. Foto: S. Höfer
Landrat Thomas Hennig und Plauens Oberbürgermeister Steffen Zenner bei der Vorstellung der Zukunftskonzeptes für die Plauener Straßenbahn. Foto: S. Höfer

Zu Beginn steht das Ziel, den Straßenbahnbetrieb zu stabilisieren und bestehende Strukturen zu stärken. Dafür haben Stadt und Landkreis ein Modell entwickelt, das auf klaren Zuständigkeiten und gemeinsamen finanziellen Verantwortlichkeiten basiert.

Schnellübersicht – die wichtigsten Punkte der Vorstellung

• PSB bleibt vollständig im Eigentum der Stadt Plauen
• Straßenbahn-Infrastruktur und Betriebshof bleiben in städtischer Verantwortung
• Stadtbusverkehr soll künftig durch den Plauener Omnibusbetrieb GmbH (POB) organisiert werden
• Elektrobusse könnten an den POB übertragen werden
• PSB‑Servicepoint soll am Oberen Bahnhof konzentriert werden
• Moderate Ticketpreisanpassung geplant, Preise bleiben vergleichsweise niedrig
• Strukturelles Defizit von ca. 4,5 Mio. Euro soll künftig gedrittelt werden: Stadt, Landkreis und Freistaat je ca. 1,5 Mio. Euro jährlich
• Vogtlandkreis will Finanzausgleichszahlungen von 1,32 auf 1,5 Mio. Euro erhöhen
• Zusätzlich Zuschüsse des ZVV von rund 1,5 Mio. Euro jährlich
• Vertrag zwischen Stadt und Landkreis über zehn Jahre geplant
• Neues Modell soll ab 1. Januar 2027 starten
• Umsetzung hängt von Beschlüssen von Kreistag und Stadtrat ab
• Freistaat Sachsen soll notwendige Rahmenbedingungen sichern

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Neuorganisation der Verkehrsstrukturen

Stadt und Landkreis haben gemeinsam festgelegt, wie die künftige Organisation aussehen soll. Die PSB bleibt vollständig im Eigentum der Stadt Plauen, die weiterhin für Infrastruktur und Betriebshof verantwortlich ist. Die Busverkehre sollen künftig vom Plauener Omnibusbetrieb GmbH organisiert werden, einem Betrieb des Zweckverbands ÖPNV Vogtland. Für die Beschäftigten sollen durch die Neustruktur Sicherheit und verlässliche Perspektiven entstehen.

Effizienz und Synergien

Zur besseren Nutzung von Ressourcen ist eine klare Aufgabenverteilung vorgesehen. Während Infrastruktur und Straßenbahnbetrieb in städtischer Verantwortung bleiben, könnten die Elektrobusse an den POB übertragen werden. Zudem soll der PSB‑Servicepoint künftig am Standort des Verkehrsverbundes am Oberen Bahnhof gebündelt werden, um weitere Synergien zu nutzen.

Wirtschaftliche Grundlagen

Ein zentraler Baustein des Modells ist eine moderate Anpassung der Ticketpreise, die zusätzliche Einnahmen für die PSB generieren soll. Diese Preise bewegen sich im sachsenweiten Vergleich weiterhin im unteren Bereich. Zur dauerhaften Stabilisierung soll das strukturelle Defizit von rund 4,5 Millionen Euro künftig gemeinsam getragen werden: Stadt Plauen, Vogtlandkreis und Freistaat Sachsen jeweils mit etwa 1,5 Millionen Euro jährlich.

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Aktuell leistet der Vogtlandkreis Finanzausgleichszahlungen in Höhe von 1,32 Millionen Euro pro Jahr, die auf 1,5 Millionen Euro erhöht werden sollen. Hinzu kommen Zuschüsse des Zweckverbandes von rund 1,5 Millionen Euro pro Jahr.

Gemeinsamer Prozess seit 2025

Die Grundlage des Modells entstand im vergangenen Jahr im Austausch zwischen Landrat Thomas Hennig und Oberbürgermeister Steffen Zenner. Ein erstes Treffen im November 2025 markierte den Beginn eines intensiven Abstimmungsprozesses zwischen Stadt, Landkreis und ZVV. Die aktuellen Vorschläge wurden den Beschäftigten der PSB in einer Betriebsversammlung vorgestellt, anschließend folgen Informationsveranstaltungen für Stadt- und Kreisräte. Im Juni sollen beide Gremien abschließend entscheiden.

Vertragsgrundlage und Zeitplan

Die Zusammenarbeit von Stadt und Landkreis soll auf einem Vertrag mit zehnjähriger Laufzeit basieren. Er soll Planungssicherheit schaffen und bildet die Grundlage dafür, dass das neue Modell zum 1. Januar 2027 in Kraft treten kann.

Rolle des Freistaates

Der Freistaat Sachsen soll die notwendigen finanziellen und strukturellen Voraussetzungen sichern. Stadt und Landkreis stehen dazu in engem Austausch mit dem Sächsischen Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung. Eine verlässliche Unterstützung ist für die Umsetzung des Modells entscheidend.

Stimmen der Verantwortlichen

Landrat Thomas Hennig betont, dass eine Lösung gefunden wurde, die sich in die bestehenden Strukturen einfügt und finanzierbar ist. Oberbürgermeister Steffen Zenner sieht in der Neuorganisation klare Strukturen und verlässliche Perspektiven für Beschäftigte und Nahverkehr und verweist auf den gemeinsamen Weg aller Beteiligten.

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Hintergrund zur PSB

Die Plauener Straßenbahn verfügt über ein rund 34,5 Kilometer langes Liniennetz und ist seit 1894 prägend für den Nahverkehr in der Stadt. Mit dem Verlust der Kreisfreiheit zum 1. Januar 2009 ging die Zuständigkeit grundsätzlich auf den Vogtlandkreis über, der Stadt Plauen wurde jedoch die Aufgabenträgerschaft zugeordnet. Steigende Personal- und Infrastrukturkosten führen zunehmend zu finanziellen Schwierigkeiten, die ohne strukturelle Veränderungen ab 2027 eine Insolvenz zur Folge hätten.

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