- Montag, 9 März 2026, 09:23 Uhr | Lesezeit ca. 4 Min.
Spritpreis-Schock im Vogtland: Tanken wird immer teurer – viele fahren nach Tschechien
Autofahrer aus Sachsen fliehen vor hohen Preisen – Tankstellen-Boykott und Ärger über Politik
Die Menschen im Vogtland und in Sachsen sind verärgert: Die Preise an den Tankstellen steigen weiter und haben Anfang März 2026 die 2-Euro-Marke überschritten. Immer mehr Menschen weichen wegen der explodierenden Spritpreise nach Tschechien aus. Dort ist der Andrang mittlerweile so groß, dass an ersten Tankstellen der Diesel ausverkauft ist. Viele decken sich gleich mit Kanistern ein, um sich gegen weitere Preisanstiege abzusichern.

Boykottaufrufe und wachsender Unmut
Der Frust über die Spritpreise ist groß. In sozialen Medien wird inzwischen dazu aufgerufen, Tankstellen im Vogtland zu boykottieren und an bestimmten Tagen nicht zu tanken. Ziel ist es, die Mineralölkonzerne durch sinkende Nachfrage unter Druck zu setzen und so die Preise zu senken. Viele empfinden die aktuelle Preispolitik als „Abzocke“, besonders vor dem Hintergrund, dass der jetzt verkaufte Kraftstoff meist noch zu alten, günstigeren Bedingungen eingekauft wurde.
Tanktourismus nach Tschechien
Hintergrund für die Preisexplosion sei der Konflikt im Nahen Osten. Nach einem Angriff Israels und der USA auf den Iran wurde die Straße von Hormuz – eine der wichtigsten Öltransportrouten der Welt – durch Iran geschlossen. Das treibe die Ölpreise weltweit nach oben. Gleichzeitig seien die europäischen Gasspeicher nur noch zu etwa 30 Prozent gefüllt, die deutschen sogar nur zu rund 20 Prozent – ein weiterer Preistreiber.
So teuer ist Tanken im Vogtland aktuell
Am 9. März 2026 lagen die Dieselpreise im Vogtlandkreis zwischen 1,50 Euro und 2,09 Euro pro Liter. Der bundesweite Durchschnitt betrug sogar rund 2,10 Euro für Diesel und 2,03 Euro für Superbenzin.
Spartipps für Autofahrer
Wer dennoch tanken muss, sollte laut ADAC versuchen, abends zwischen 18 und 20 Uhr oder ab 22 Uhr die Tankstellen anzusteuern. In diesen Zeiträumen sind die Preise erfahrungsgemäß am niedrigsten. Viele Menschen im Vogtland machen die aktuelle Politik für die Preisentwicklung verantwortlich. Der Unmut wächst, da keine schnelle Entlastung in Sicht ist. Diskussionen über mögliche Maßnahmen werden lauter – von Steuerentlastungen bis zu weiteren Boykottaufrufen.
Verbraucherzentrale fordert schnelle Entlastung für Pendler im Freistaat
Ein massiver Anstieg der Kraftstoffpreise sorgt in Sachsen aktuell für große Sorgen. Die Hintergründe sind der anhaltende Konflikt im Nahen Osten und die Sperrung der Straße von Hormus, die die Spritpreise an sächsischen Tankstellen auf ein Zwei-Jahres-Hoch treiben. Besonders betroffen sind die mehr als eine Million Pendlerinnen und Pendler im Freistaat.
Pendlerinnen und Pendler in Sachsen besonders stark belastet
Für viele Menschen in Sachsen ist das Auto kein Luxus, sondern die einzige Möglichkeit, zur Arbeit zu gelangen. Steigen die Preise auf über zwei Euro pro Liter, wird der Arbeitsweg für zahlreiche Sächsinnen und Sachsen zur finanziellen Belastung. Andreas Eichhorst, Vorstand der Verbraucherzentrale Sachsen, betont: „Für die Menschen ist das Auto oft kein Luxus, sondern meistens die einzige Möglichkeit, den Arbeitsplatz zu erreichen. Wenn der Literpreis die 2-Euro-Marke erreicht, wird der Weg zur Arbeit für viele Sächsinnen zur unbezahlbaren Belastung. Wir brauchen jetzt konkrete Entlastungspläne, damit die Krise nicht auf dem Rücken der Pendlerinnen ausgetragen wird.“
Forderung nach Transparenz und gezielten Hilfen
Die Verbraucherzentrale Sachsen unterstützt die Forderung von Staatsminister Dirk Panter (SPD) nach mehr Markttransparenz und nachprüfbaren Entlastungen. „Es darf nicht sein, dass sächsische Tankstellen zur Goldgrube für Konzerne werden, während Pendler*innen im ländlichen Raum um ihre Mobilität bangen“, so Eichhorst weiter.
Drei konkrete Vorschläge zur Entlastung
Um die Situation für Pendlerinnen, Pendler und Verbraucherinnen sowie Verbraucher abzumildern, empfiehlt die Verbraucherzentrale Sachsen folgende Maßnahmen:
Härtefallzuschuss für Fernpendlerinnen und Fernpendler
Ein zeitlich befristetes Mobilitätsgeld könnte extreme Belastungsspitzen sofort abfedern und Fernpendlerinnen und Fernpendlern direkt helfen.
Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV)
Besonders im ländlichen Raum ist der Ausbau des ÖPNV notwendig. Bus und Bahn sollen so zu einer echten und bezahlbaren Alternative zum Auto werden.
Neue E-Auto-Prämie ab Mai 2026
Verbraucherinnen und Verbraucher, die auf fossile Brennstoffe verzichten möchten, könnten von einer neuen E-Auto-Prämie profitieren. Je nach Einkommen und Fahrzeugart sind bis zu 6.000 Euro Förderung möglich. Anträge können voraussichtlich ab Mai 2026 über ein neues Online-Portal des BAFA gestellt werden.







