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Von Plauen ging der Funke aus

Plauen erinnert an die Friedliche Revolution 1989

Die bessren Zeiten sagen guten Tag30 Jahre ist es her, dass die Menschen im Osten Deutschlands mit ihrer Friedlichen Revolution die Mauer zu Fall brachten, die die beiden Teile Deutschlands trennte. Ein maßgebliches Kapitel in dieser Geschichte schrieb die vogtländische Stadt Plauen. Denn hier fand erstmals statt, was für die weitere Dynamik der Demonstrationen 1989 auf dem damaligen Gebiet der DDR wichtig war; hier fand die erste Demonstration statt, die friedlich ausging, und bei der die Staatsmacht kapitulierte und zurückwich. Das war zwei Tage vor der berühmteren Montagsdemo am 9. Oktober 1989 in Leipzig.

In diesem Jahr, dem 30. danach, wird an diese besondere Zeit für und in Plauen mit einer Vielzahl von Veranstaltungen erinnert. Ein Höhepunkt ist die Veranstaltung im Herzen der Stadt, am Wende-Denkmal, am 7. Oktober 2019. Mit dem Glockengeläut der Lutherkirche und der Begrüßung durch den Oberbürgermeister der Stadt Plauen, Ralf Oberdorfer, wird die Gedenkveranstaltung am Wende-Denkmal eröffnet werden. Der Oberbürgermeister übergibt das Wort an den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer und an den Landesbischof Dr. Carsten Rentzing aus Dresden, der die damaligen Ereignisse aus Sicht der Kirche schildert.

 


Als besonderen Gast dürfen die Plauener*innen an jenem denkwürdigen Tag den Bundespräsidenten a.D., Professor Joachim Gauck begrüßen, der ebenfalls einige Worte an die Anwesenden richten wird. Danach wird Wolfgang Sachs als Zeitzeuge, aber auch als Vorsitzender des Initiatorenkreises "Wende Denkmal" das Wort ergreifen und über die Entstehung des Denkmals berichten. Im Anschluss geht es zum Südportal der Lutherkirche. Traditionell können dort wieder Kerzen „In Erinnerung an die friedliche Kraft der Kerzen“ entzündet werden. Dank der Unterstützung des Freistaates Sachsen kann in diesem Jubiläumsjahr ein einmaliges Projekt verwirklicht werden: An die gegenüberliegende Rathausfassade wird eine animierte 3 D Laser-Grafikshow projiziert, die die Ereignisse in Plauen 1989 zeigt. Ein Friedensgebet in der Lutherkirche bildet den Abschluss der Gedenkveranstaltung.

 

„Plauen war die erste ostdeutsche Stadt, die einen geeinten Willen zur Wende ausdrückte“. Einen Tag vor Dresden, zwei Tage vor dem berühmten Montag in Leipzig.
John Connelly, amerikanischer Historiker

 

Veranstaltungen der Stadt Plauen:

03.10., 19.30 Uhr, Vogtlandtheater/Löwel-Foyer: "Die bessren Zeiten sagen guten Tag"
05.10., Tourist-Information: Stadtführung "Wege des Aufbruchs"
05.10., 19.30 Uhr, Vogtlandtheater: "Wir sind auch nur ein Volk"
06.10., 18.00 Uhr, St.-Johannis-Kirche: Festkonzert "30 Jahre Friedliche Revolution in Plauen"
07.10. (11.30 Uhr), Tourist-Information: Stadtführung "Wege des Aufbruchs"
07.10., 18.00 Uhr, Wende-Denkmal: In Erinnerung an die Ereignisse im Herbst '89 in Plauen*
07.10., 20.00 Uhr, Vogtlandtheater: Zwischen Liebe und Zorn – Robert Gläser und Apfeltraum treffen Philharmonisches Orchester
10.10., 19.00 Uhr, Galerie im Malzhaus: "Plauen, 07.10.1989 - eine Stadt steht auf"
17.10., 19.00 Uhr, Galerie im Malzhaus: "30 Jahre Friedliche Revolution in Plauen - Die Stasi und die Folgen"
09.11., 17.00 Uhr, Vogtlandtheater: "Herbst '89 - Freiheit durch Bürgermut"
15. - 19.11., Kino Capitol: Eröffnung 10. Deutsch-Deutsche Filmtage "Von der Teilung zur Einheit"

Eine Übersicht über weitere Veranstaltungen und Veranstalter sowie Details unter: www.plauen.de/wende2019

 

Die bessren Zeiten sagen guten Tag

Premiere am 3. Oktober im Löwel-Foyer des Vogtlandtheaters

Als erste Premiere in der Reihe der Veranstaltungen zum Jubiläum 30 Jahre Friedliche Revolution stehen unter dem Titel Die bessren Zeiten sagen guten Tag Prosa, Lyrik und Songs über die politische Wende von 1989 am 3. Oktober um 19.30 Uhr im Löwel-Foyer des Vogtlandtheaters auf dem Spielplan. Generalintendant Roland May stellte den Abend zusammen, führte Regie, gestaltete auch Bühnenbild und Kostüme des Abends, die musikalische Leitung liegt bei Dominik Tremel. In der Rahmenhandlung findet man sich in der DDR im Herbst 1989 wieder: Drei befreundete Jugendliche sehnen sich nach Veränderung und Authentizität.

In einer kleinen Hinterhaus-Wohnung kommen sie zusammen, um zu feiern, abzuhängen und über ihre Sehnsüchte zu sprechen. Ungeduld und Unzufriedenheit mit dem politischen System sind im Spiel. Dabei durchleben sie die politische Wende vor 30 Jahren im Zeitraffer. Musik und Gedanken werden spielerisch in politische Zusammenhänge gebracht und reflektiert. In den Rollen der drei Jugendlichen sind drei der vier neuen Darsteller*innen des Schauspielensembles zu erleben: Johanna Franke, Sabrina Pankrath und Gerrit Maybaum. Die Premiere ist bereits ausverkauft. Die nächsten Termine sind am 15. Oktober und 27. November um 19.30 Uhr sowie am 31. Oktober um 18 Uhr.

 

Aus der Geschichte in Plauen

Wende_Banner_Wolf_Siegmar_2 (c)Stadt Plauen

 

7. Oktober 1989: Es war der Nationalfeiertag der DDR. Die Plauener aber ließen sich weder von Stasi, bewaffneten Einsatzkräften oder Wasserwerfern daran hindern, für ein Ende der SED-Diktatur zu demonstrieren. Und obwohl bereits am 7. Oktober – und damit zwei Tage vor dem berühmteren Montag in Leipzig – in Plauen die erste Massendemonstration stattfand, vor der die Staatsmacht kapitulieren musste, standen in der öffentlichen Wahrnehmung die Plauener im Schatten von Leipzig und Berlin. Die Plauener aber markierten den Wende-Punkt im dramatischen Revolutionsherbst des Jahres 1989.

 

Geeinter Willen zur Wende

Der amerikanische Historiker John Connelly sagt später dazu, „Plauen war die erste ostdeutsche Stadt, die einen geeinten Willen zur Wende ausdrückte“. Einen Tag vor Dresden, zwei Tage vor dem berühmten Montag in Leipzig. Superintendent Thomas Küttler bezeichnet diese erste große Zusammenkunft in Plauen als „auslösenden Funken“.

Thomas Küttler war es auch, der die drohende Eskalation der beiden Fronten während dieses ersten großen Protestes verhinderte. Die Fronten – das sind Bürger auf der einen und Staatsdiener auf der anderen Seite. Die letztgenannten wollten die Zusammenkunft, die friedlich war, mit allen Mitteln verhindern. Setzten Wasserwerfer ein. Marschierten in voller Montur auf. Thomas Küttler wurde ein Megaphon gereicht, er stieg auf das Geländer des Rathausvorplatzes und rief zum Gewaltverzicht auf. Erfolgreich.

 

Anerkennungen für die Stadt Plauen
7.10.2009:
• Besuch des damaligen Bundespräsidenten, Horst Köhler, anlässlich der Feierlichkeiten 20 Jahre Friedliche Revolution

• Grundsteinlegung für das Wende-Denkmal im Beisein des Schirmherrn, das Sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich im Plauener Stadtzentrum

7.10.2010:

• Einweihung des Bürgerdenkmals Wende-Denkmal, das die Form einer Kerze hat, finanziert zum Großteil aus Spenden der Plauener*innen

2.10.2011

• Für ihre anerkannte Vorreiterrolle in der Friedlichen Revolution 1989 erhält die Stadt Plauen am 2. Oktober in Bonn den Ehrenpreis des "einheitspreis 2011 - Bürgerpreis zur Deutschen Einheit"

30.06. 2019

• ZDF-Sommerinterview mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, in dem die Rolle Plauens 1989 thematisiert wurde

 

Jugendliche weisen Wahlfälschung nach

30 Jahre ist es nun her, dass die Trennung Deutschlands Geschichte ist. Mutige Bürger wehrten sich tatkräftig gegen das Regime, und gerade in der vogtländischen Stadt Plauen wurde viel bewegt. Seit Januar erinnern in und um Plauen Ausstellungen, Dokumentationen und Veranstaltungen an die historischen Ereignisse 1989. Überall in Ostdeutschland machte sich damals Unruhe breit, und vor allem in Plauen passierte viel. Oppositionelle Jugendliche beobachten die Wahlbeteiligung im Mai des Jahres 1989 und reichen kurz darauf einen Einspruch gegen das Endergebnis der Stadtverordnetenwahl ein. Denn – es stimmt nichts. Das ist offensichtlich. Die Zahlen sind gefälscht.

Im restlichen Deutschland macht sich zum selben Zeitpunkt eine Ausreisewelle breit, die auch vor der Spitzenstadt nicht Halt macht. Die Plauener sind aufgerüttelt, trauen sich, den Mund aufzumachen. Flugblätter machen die Runde, laden ein zur großen Protestdemo auf dem Theaterplatz – am 7. Oktober. Die Plauener wollen, was fast alle in der DDR wollen – Meinungs- und Pressefreiheit, Reisefreiheit, Versammlungs- und Demonstrationsrecht. Alle sollen mitmachen, ausdrücklich steht geschrieben: „Überwindet Eure Lethargie und Gleichgültigkeit! Es geht um unsere Zukunft!“ (mar, pl, theater, fotos: stadt plauen & theater plauen zwickau)

 

2019-09-29



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