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Eine Plauener Maschine verändert die Welt

Spitzengeschichte 38

Robert_ZahnIn der Person des neuen, 42jährigen Chefs der VOMAG vereinten sich die besten Eigenschaften der alten Unternehmergeneration. Der Ingenieur Robert Zahn (Robert Zahn Weg) war ein Handwerker der versiertesten Art, wie es der alte Dietrich schon war. Auch er vereinte in sich die besten ingenieur-technischen Erfahrungen des Schweizer-, Kappeler- und Plauener Maschinenhandwerks. Ihm sagte man einen besonderen Stickmaschinen-Instinkt nach; "wie ein versierter Monteur, hörte er schon am Lied, das eine Maschine spielte, wo es ihr fehlte".

Wie der große Plauener Industrielle Friedrich August Mammen, war auch Zahn ein Industriekapitän erster Klasse; sein Spielfeld aber, reichte weit über das von Mammen hinaus. Zahn, der einen großen Teil des Jahres auf Reisen verbrachte, war in der Schweiz, in Paris, in London und nicht zuletzt in Amerika Zuhause. So erkannte er nicht nur die Chancen der Konjunktur sehr früh, er erkannte auch früh ihre Grenzen. Sein exzellentes Wissen um die Märkte und die Technik der textilen Welt versetzte ihn in die Lage, diese aufs effektivste zu nutzen, ja sie "zu lancieren", wie es der Spitzen-Historiker Willy Erhardt, in seinem Buch "Das Glück auf der Nadelspitze" treffend beschrieb. Zahn spielte das gleiche, große Spiel ums Geld, wie es der Fabrikbesitzer Friedrich Ludwig Böhler einhundert Jahre vor ihm im Königreich gespielt hatte, nun allerdings auf der Weltbühne. Robert Zahn war Manager im Weltmaßstab. Er war das Gegenteil der, im Wohlstandsbett schwerreicher Textilfabrikanten aufgewachsenen, Plauener Juniorchefs nach der Jahrhundertwende.

Stickmaschine_ZahnDer Vater des aus dem oberfränkischen Münchberg stammenden Zahn war wegen seiner studentischen Teilnahme an der 1848er Revolution gezwungen worden, nach Amerika auszuwandern. Auf sich allein gestellt, erwarb Zahn Junior in Mittweida sein Ingenieurspatent und war ab 1882 an der Fortentwicklung der Stickmaschinen in der Sächsischen Stickmaschinenfabrik in Kappel, der ersten und größten in Sachsen, maßgeblich beteiligt. Dort eingeengt in seinen Möglichkeiten, verschlug es ihn 1896, wie die beiden Dietriche fünfzehn Jahre vor ihm, in die kurz zuvor gegründete VOMAG nach Plauen. Wegen "Patentklau‘s", so ist unsicher überliefert, begab er sich ein Jahr später auf die Flucht vor seinen ehemaligen Kappeler Herren für drei Jahre in die Schweiz.

Erneut wurde aus einer Not eine Tugend. Zahn kehrte aus dem schweizerischen Rohrschach -dort hatte man, wie in Kappel und Plauen, seit Jahren fieberhaft an der Produktionsreife des Stickautomaten gearbeitet- als perfekter Stickautomatenbauer nach Plauen zurück. Zahn vereinigte in sich die Eigenschaften all jener kühnen Männer, die ein halbes Jahrhundert vor ihm, mit der Entführung zweier Schweizer Stickmaschinen den Keim für Plauens industrielle Entwicklung legten, in seiner Person. Was ein halbes Jahrhundert vorher noch, wie zufällig, ein Nebeneffekt des natürlichen Interesses voigtländischer Baumwollherren war, das betrieb Zahn nun mit der zwingenden Absicht, im Weltkonzert, zunächst des Textilmaschinenbaus, die erste Geige zu spielen. Das Ergebnis ließ in zähem Kampf um Patente zwischen der Schweiz, Kappel und Plauen vierzehn Jahre auf sich warten. Im April des Jahres 1910 verließ der erste Stickautomat nach dem ”System Zahn” das Werk an der Elster.

Der Automat vereinigte in sich die Solidität Plauener Handstickmaschinen mit der technischen Perfektion und Produktivität der Schiffchenstickmaschine. Die entscheidende Neuerung aber war, der Automat arbeitete ohne Bedienung. Der Sticker, der bisher mit Hilfe eines Pantographen (sog. Storchschnabel) der Maschine das zu stickende Muster vorgab, indem er im laufenden Stickvorgang eine Schablone abtastete, wurde durch einen Jacquardapparat, gesteuert von einer Lochkarte, ersetzt. Als die heimische Textilwirtschaft am Boden lag, trugen Zahns Monteure seine hochproduktiven, dabei einfach zu bedienenden Automaten hinaus in die Welt. Die VOMAG belieferte teils unter heftigem Protest den amerikanischen, den chinesischen und den japanischen Markt. Auch diesmal sollte die praktische Perfektionierung einer Erfindung, wie sie der Zahnautomat verkörperte, Folgen haben, die nicht vorherzusehen waren. 

Die Redaktion bedankt sich bei Achim Leißner für die Zuarbeit. (ce)



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