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Auf den Spuren der Plauener Bierbrauer

Spitzengeschichte 50

 

Hofbrauerei Plauen Das Haus Syrastraße 10

 

Hofbrauerei: Das Haus Syrastraße 10 am rechten Bildrand gehörte dem Brauer und Gastwirt Oskar Hofmann, der hier das Restaurant und die Brauerei „Meyerhof“ (1873 - 1915) betrieb. Der Name stammt von dem Wirtschaftshof des Schlosses, der von 1230 bis 1859 an dieser Stelle stand. Die Holzfigur über der Toreinfahrt war bunt bemalt und stellte den sagenumwobenen niederländischen Bierkönig Gambrinus dar. Im Hintergrund ist die 1841 eröffnete städtische Schule, später die I. Bürgerschule, zu sehen, die Straße über die Syrabrücke führt zum Klostermarkt.

 

Seit frühester Zeit fanden die Menschen Gefallen daran, aus stärkehaltigen Stoffen durch Gärung alkoholische Getränke herzustellen. An vorderster Stelle stand und steht dabei das Bier, einer der beliebtesten Durstlöscher in unserem Land. Wie weit die Anfänge des Bierbrauens zurückreichen, lässt sich nicht eindeutig nachweisen, aber der schriftlichen Überlieferung zufolge soll der Hopfen zur Bierherstellung in Deutschland bereits im Jahre 1079 verwendet worden sein.

 

Um 1300 entstanden zahlreiche Klosterbrauereien und im norddeutschen Raum erste Handelsbrauereien. Schriftliche Nachrichten zum Plauener Bier lassen sich bis zum Jahre 1357 zurückverfolgen. Die „Komthurhofbrauerei“ der Deutschordensbrüder hatte dem Vogt täglich zwei Kannen Bier, die Kanne zu zwölf „Nößel“ (etwa ein halber Liter) zu liefern.

 

„Gutbier“ tranken die Plauener im 15. Jahrhundert

Mit der Herausbildung des Bürgertums in den Städten gestaltete sich die Bierherstellung zu einem Vorrecht derjenigen Bürger, die das Privileg eines „brauberechtigten Hauses“ besaßen. In Plauen waren um 1580 von den damals über 2.000 Einwohnern 172 legitimiert, in den Brauhäusern der Stadt ihr Bier zu brauen. Im so genannten „Reihenschank“, also nach festgelegter Reihenfolge, durften sie dann ihr eigenes Bier verkaufen. Bereits im 15. Jahrhundert verbrauchte die kurfürstliche Verwaltung drei Sorten Bier, von denen das „Gutbier“ als beliebtestes galt und in Plauen zu dem am meisten verkauften Bier gehörte.

 

Die Bestandteile des Getränkes waren nach der Vorschrift des Deutschen Biersteuergesetzes von 1516 durch das Reinheitsgebot festgelegt: untergäriges Bier durfte nur aus Gerstenmalz, Hefe, Hopfen und Wasser hergestellt werden, obergäriges Bier dagegen auch aus Weizenmalz. Bevor die brauberechtigten Bürger ans Bierherstellen gingen, hatten sie dem Amtsschösser (Verwalter) und dem Stadtschreiber ihr Vorhaben anzuzeigen und den „Trankzehnten“ zu entrichten.

 

In den Brauhäusern standen den Laien Fachleute, die Braumeister, zur Seite, die in Plauen 1486 erstmals erwähnt wurden. Von den Kupferschmieden, Klempnern und Schlossern soll übrigens das beste Bier in der Stadt gebraut worden sein. In dessen Genuss kamen aber nicht nur die Plauener Mannsbilder, denn die Bierversorgung im sächsischen Vogtland wurde weitgehend über ein Monopol der Städte Plauen, Oelsnitz, Adorf, Markneukirchen und Pausa abgedeckt. Den Ankauf fremden Bieres von außerhalb durch hiesige Wirtshäuser, auch Bierausfälle genannt, versuchte die Städter allerdings zu boykottieren, indem sie die Fässer, nachdem sie leergetrunken waren, kurz und klein schlugen. Solcher Protektionismus gab Ärger mit den Lieferanten, die Streitigkeiten konnten gar in langjährige „Bierkriege“ ausufern. Eine solche Episode erzählen die Annalen aus dem Jahre 1723. Plauen lag da im juristischen Streit mit der Gutsherrschaft von Neuensalz.

 

 

 

Die Stadt pochte auf ihr vermeintliches Recht, im Gasthof der Gemeinde nur Plauener Bier auszuschenken. Der Prozess zog sich geschlagene 40 Jahre hin, am Ende stand Plauen als Verlierer da und musste eine Strafe von 20 Talern bezahlen. Letztlich ausschlaggebend für die Schlappe vor Gericht war anscheinend die Aussage eines Zeugen, wonach der Bürgermeister von Plauen selbst auf das „verbotene“, also das Neuensalzer Bier stünde und sich davon „wohl hundert Räusche“ angetrunken hätte. Damit war es um die Glaubwürdigkeit des Klägers geschehen. Die Brandgefahr in den Wohnhäusern der Stadt durch die Darre (Trocknung) von Hopfen und Malz führte 1727 zu dem Beschluss, auf den Grundmauern der Eversteinschen Burganlage ein städtisches Malzhaus zu errichten. Neben dem neu gebauten Malzhaus befand sich in unmittelbarer Nachbarschaft das Brauhaus.

 

Die Plauener Bierproduktion um 1666

Es wurde der Nachfolgebau des alten Herrenbrauhauses in der Herrenstraße, das nach dem großen Stadtbrand im Jahre 1844 hierher verlegt worden war. Die zentrale Mälzerei konnte nichts daran ändern, dass es Ende des 18. Jahrhunderts offensichtlich mit dem Bierausstoß haperte. Verstimmt monierte das Rathaus, es müssten mit der Kapazität von mittlerweile vier Brauhäusern jährlich 3.840 Fässer Braunbier hergestellt werden, letztendlich kämen aber nur 1.500 Fässer zur Auslieferung. Über die Gründe dieses wundersamen Schwundes schweigen die schriftlichen Quellen bedauerlicherweise. Vielleicht waren sie in der aufwändigen Herstellung zu suchen; allein bis aus der Gerste durch Einweichen, Quellen, Keimen und Trocknen Braumalz entstand, dauerte es einige Tage. Auch die weiteren Arbeitsgänge – Mischen von Malz mit Wasser zu Maische, Zusetzen von Hopfen, Erhitzen zur zuckerhaltigen Würze, Gären mit Hilfe von Bierhefe, Nachgären, Reifen und schließlich Filtrieren – nahmen reichlich Zeit in Anspruch.

 

Plauener Bierproduktion - Vier Häuser besaßen das Recht zum Brauen Zeichnung Karl-Werner Steube 1964 Stadtarchiv PlauenFoto: Plauener Bierproduktion, 1666: Vier Häuser besaßen das Recht zum Brauen.
Zeichnung: Karl-Werner Steube, 1964/Stadtarchiv Plauen

 

Nach dem Mälzen und Brauen eilten Träger mit der noch warmen Würze in offenen Scheffeln (etwa 75 – 100 Liter) durch die Stadt zu den Gärkellern an der Syrastrasse. Die großen Felsengewölbe des Schlossberges eigneten sich gut zum Gären. War das Bier dann endlich fertig, durften es jeweils zwei Plauener Bürger, einer in der unteren und einer in der oberen Stadt, gleichzeitig ausschenken. Dazu hängten sie das Bierzeichen über ihrer Haustür auf. Wenn die Kunden deren Kontingent geleert hatten, schickten die Schankleute das Blechschild mit dem Plauener Stadtwappen dem nächsten Bürger, der mit dem Verkauf dran war. Und so ging das der Reihe nach weiter.

 

Auf die Idee, Bier in Flaschen zu vertreiben, kam damals noch niemand, der alkoholische Durstlöscher wurde vielmehr in „Sprengstützen“ bzw. „Bierstützen“ aus Zinn und aus Kupfer zum Ausschank aus dem Keller geholt. Auch in den Gasthäusern gossen die Wirte nur Bier von städtischen Brauberechtigten in die Humpen, bis 1838 der so genannte Bier- und Malzzwang per Gesetz gekippt wurde. In dem Jahr gab es in Plauen 185 Brauberechtigte, die übrigens nicht nur am Ausschank verdienten, sondern für ihre Dienste am Gemeinwohl der Stadt eine jährliche Rente und eine anschließende Abfindung kassierten.

 

Grundsteinlegung der Aktienbrauerei Plauen

Mit zunehmenden Kenntnissen von den chemischen und biochemischen Vorgängen beim Brauen entwickelte sich das Gewerbe im 19. Jahrhundert zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig. Die Zeit der größeren Brauereien war angebrochen. In Plauen taten sich 1857, die Stadt hatte damals 13.800 Einwohner, acht Gasthöfe, 23 Wirtschaften und fünf Gesellschaftshäuser, „tatkräftige Männer“ zusammen und gründeten den „Actien-Brauverein“. Der Zusammenschluss schien vor allem auch geboten, weil es mit dem Braufleiß der Einwohner nicht zum Besten bestellt war: Nur ein Zehntel der 186 Plauener brauberechtigten Häuser übte dieses Privileg auch aus - mit der Folge, dass von den 30.000 getrunkenen Eimern Bier jährlich 18.000 von außerhalb herangeschafft werden mussten.

 

Das einträgliche Geschäft mit dem Bier wollte man in der Stadt natürlich lieber selbst machen. Deshalb übernahm das neu gegründete Unternehmen die Brauprivilegien der einzelnen Bürger. Eine Braugerechtigkeit wurde mit 150 Talern bewertet und gegen drei Aktien eingetauscht oder später aufgekauft. 1857 begann der „Actien-Brauverein“ mit einem Kapital von 150.000 Talern in 3.000 Kleinaktien. Das Beispiel machte schnell Schule, schon im folgenden Jahr, 1858, folgte mit der Firma W. F. Hammer ein zweites Brauhaus in Plauen.

 

Nachdem die Grundsteinlegung der Aktienbrauerei am 1. Juli 1858 vollzogen war, dauerte es noch ein reichliches Jahr, ehe Ende 1859 bei einem feierlichen Ausschank im Restaurant „Zum Tunnel“ das erste Bier floss. Der herzhafte Trunk mit der schaumigen Krone traf den Geschmack vieler durstiger Kehlen, schnell erfreute sich der Gerstensaft aus dem Syratal zunehmender Beliebtheit, damals noch fast ausschließlich in der Männerwelt. Die Lage der Brauerei ermöglichte es, am Bergabhang Felsenkeller anzulegen. Dieser Umstand und die vorzügliche Wasserqualität ergaben ein Qualitätsbier, das in den folgenden Jahren in der Rangfolge sächsischer Biere zu den besten aufstieg.

 

Vor der Wende zum 20. Jahrhundert entwickelte sich die Brauerei zu einem leistungsstarken Großunternehmen. Umfangreiche Neubauten wurden notwendig, ein Sudhaus und eine moderne Mälzerei entstanden, und durch künstlich hergestellte Kälte konnte das Bier jetzt oberirdisch gelagert werden. Mit der Einverleibung der in Plauen ansässigen Brauereien Henkel (1900) und Hüttel (1905) festigte die Aktienbrauerei nach der Jahrhundertwende ihre Vorherrschaft auf dem regionalen Biermarkt. Der jährliche Bierausstoß hatte da die 100.000 Hektoliter-Marke bereits überschritten. (martina röber)

 

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2019-02-24



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